Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 7 (1910)
- Issue
- Heft 6-7
- Article
- Eine Gesellschaft für Palästinaforschung
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 137 (sequence 1)
- Language
- German
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Eine Gesellschaft für Palästinaforschung. Dem wirtschaftlichen und kulturellen Neuaufschwunge Palästinas geht schon seit mehreren Jahrzehnten eine wissenschaftliche Erschließungsarbeit voraus, welche auf archäologischen wie auf naturwissenschaftlichen Gebieten schon manches Bedeutende zutage gefördert hat und wohl noch zutage fördern wird. Merkwürdigerweise wurden bis in die letzten Jahre fast alle diese Arbeiten nur von nichtjüdischer Seite, von Engländern, Amerikanern, Deutschen und selbst Russen unternommen. Und es ist doch von jedem Standpunkte aus klar, daß eine gründliche Erkenntnis Palästinas zu den Aufgaben des Judentums gehört, wobei um so schwerer ins Gewicht fällt, daß das jüdische eben schon heute das kulturell integrierende Element der palästinensischen Bevölkerung bildet. Umso lieber veröffentlichen wir den Aufruf, welchen das vorbereitende Komitee einer „Gesellschaft für Palästinaforschung" versendet. Der Aufruf hat folgenden Wortlaut: „Seit Einführung der türkischen Verfassung sind die Blicke Europas fortgesetzt auf den nahen Orient gerichtet, der sich in ungeahnter Weise zu entwickeln beginnt. Wirtschaftliche und kolonisatorische Unternehmungen aller Art folgen einander in fast unübersehbarer Reihe; in wenigen Jahren wird an den Stätten beschaulicher Verträumtheit und fatalistischer Sorglosigkeit ein reges modernes Leben sich entfalten. Diesem Zug nach dem Osten schreitet die Wissenschaft voran, um das Land und seine Hilfsquellen zu erforschen, seine Natur und seine Menschen kennen zu lernen und die unerschlossenen Schätze der Vergangenheit zu heben, die so lange vergraben und vergessen im Schutt uralter Kulturzentren geruht haben. Vor unseren Augen erstehen neu die Königspaläste von Babylon, Assur und Persepolis, entsteigen dem Erdboden die Trümmer Jerichos und der Makkabäerstadt Gezer. Wir Juden haben bisher an dieser Arbeit nur wenig Anteil genommen. Wohl haben jüdische Gelehrte auf allen Gebieten der Orientforschung Wissen und Können gezeigt, aber die jüdische Gesamtheit, als solche, blieb teilnahmslos. Und doch ist es gerade für uns Juden eine Ehrenpflicht, den Boden zu kennen, auf dem die Bibel entstand, zu einer neuen Blüte des Landes beizutragen, dem unser Stamm entsprossen ist. Wir müssen die wirtschaftlichen Möglichkeiten eines Landes kennen lernen, das willig seine Tore öffnet, um die gehetzten und gepeinigten Opfer fanatischer Unduldsamkeit und barbarischer Willkür aufzunehmen. Die Unterzeichneten beabsichtigen daher die Begründung einer „Gesellschaft für Palästinaforschung" ausschließlich wissenschaftlichen Charakters, die sich zum Ziel setzen soll: die Verbreitung der Kenntnis Palästinas und die Erforschung des Landes 1. in archäologischer und historischer Beziehung, 2. in naturwissenschaftlicher, 3. in wirtschaftlicher Hinsicht. Eine andere Organisation mit den gleichen Zielen besteht in Deutschland nicht, abgesehen von dem Palästina-Verein in Halle (Saale). Wir wollen zunächst das Ziel, uns selbst zu unterrichten, erreichen durch Veranstaltung fachwissenschaftlicher Vorträge anerkannter Gelehrter aus den drei Forschungsgebieten. Sobald die nötigen Mittel beschafft sind, nehmen wir in Aussicht: die Herausgabe wissenschaftlicher Publikationen, die Unterstützung und eventuell Veranstaltung von Reisen und wissenschaftlichen Expeditionen. An jeden Vortrag soll sich ein geselliges Zusammensein anschließen. Der Mindestbeitrag soll entsprechend dem umfangreichen Tätigkeitsgebiet auf 30 Mark jährlich festgesetzt werden. Ew. Hochwohlgeboren bitten wir, das in Aussicht genommene Unternehmen durch Ihre Beteiligung und durch die Angabe der Namen von Herren zu unterstützen, die vielleicht bereit sein würden, uns z.u fördern." Das vorbereitende Komitee setzt sich zusammen aus den Herren: Geh. Regierungsrat Prof. Dr. H. Aron (Kaiseralle 220), Dr. Isidor Ginsberg, Prof. Dr. Eugen Mittwoch, James Simon, Prof. Dr. Sigismund Blascke, Geheimrat Dr. Bhimenthal, Prof Dr. Ferdinand Blumenthal, 137