Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 7 (1910)
- Issue
- Heft 1
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 39 (sequence 1)
- Language
- German
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M. Margaret Newett, Canon Pietro Casola's Pilgrimage to Jerusalem in the Year 1494. [University of Manenester Pnblications. Historical Series. Nr. V.] Manchester, University Press (Sherratt & Hughes), 1907. VII u. 427 S. 8 mit 1 Facs. Geb. Sh. 7. 6 d. Casola (1427—1507) war ein Geistlicher aus einer vornehmen Familie in Mailand. Schon als junger Mann hatte er sich eine Pilgerfahrt nach dem Heiligen Lande als ideal vorgestellt; aber erst als er mehr als 60 Jahre alt war, konnte er seinen Wunsch befriedigen. Damals war Venedig der Versammlungsort der Pilger wo für sie ähnlich wie heute durch Cooks Agentur gesorgt wurde. Casola bezahlte 60 Dukaten, wofür er freie Hin- und Rückkehr hatte, ein Reittier im Heiligen Lande und freie Mahlzeiten. Andere bezahlten weniger, hatten aber in Palästina selbst für ihre Nahrung zu sorgen. Die Bewirtung liess aber manchmal zu wünschen übrig. Casola genoss die besondere Fürsorge des Schiffskapitäns, auf der Rückreise musste er aber tagelang mit Bohnen und Essig fürlieb nehmen. Die Pilger brachten oft heftige Klagen vor. Und doch war die sehr grosse und wohleingerichtete Galeere, deren Kapitän, wie Casola mehrere Male sagt, ein vornehmer, wohlwollender Herr war die allerbeste Reisegelegenheit, die zu haben war. Casola beschreibt sie ausführlich. Unter den Pilgern war ein ansehnlicher Prälat, der die müden und mutlosen Pilger von Zeit zu Zeit durch eine Predigt zu erfrischen suchte. Casola spricht davon stets mit Bewunderung, sagt aber einmal, dass sie vornehmlich den Gelehrten gefiel, ein andermal, dass die Ermahnung, nicht viel auf die weltlichen Dinge zu geben, aus dem Munde des wohlgenährten und gut verpflegten Predigers nicht viel Eindruck machte auf die hungrigen Pilger. Die ganze Reisebeschreibung lässt sich angenehm lesen, da der Autor einen guten Stil hat, nicht ohne Humor ist und sich für vielerlei interessiert. Wir müssen dabei in den Kauf nehmen, dass er stets fleissig mitteilt, wo er seine Andacht verrichtet hat. Höchst interessant ist seine ausführliche Beschreibung von Venedig. Weder die Hinnoch die Rückreise der Galeere ward vom Glück begünstigt. Beidemal wurde sie von gefährlichen Stürmen überfallen, und hatte mit Gegenwind oder Windstille zu kämpfen. Allein alles wurde übertroffen durch das Elend, das die 1 ilger von der Ankunft in Jaffa bis zur Abreise zu leiden hatten. Es dauerte beinahe vierzehn Tage, ehe sie nach allerlei Prellereien landen und die Reise nach Jerusalem antreten konnten. In Ramla, das der Autor Rama nennt, wurden sie wiederum vier Tage aufgehalten: tödlich ermüdet kamen sie in die Heilige Stadt. Und hier ist es Casola unmöglich, seine Enttäuschung nicht zu verraten. Santo ßrasca der die Pilgerfahrt im J. 14S0 gemacht hatte, sagt in seinem Reisebericht, dass dem Pilger zwei Säcke unentbehrlich sind, einer mit Geld, einer mit Geduld. Casola findet, dass man in Jerusalem noch einen dritten nötig hat, einen mit Glauben. Denn die Heilige Stadt hat für das Auge nichts Anziehendes. Das einzige schöne Gebäude ist die Moschee. Casola sagt, dass viele meinen, dass diese Moschee der Tempel Salomos sei, dies könne aber nicht wahr sein, u. a. deswegen, da letzterer auf dem Berge Moria gebaut wurde, die Moschee aber im Tale steht (S. 252). 39