Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 7 (1910)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Bericht des deutschen Konsuls in Jerusalem
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 29 (sequence 2)
- Language
- German
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gibt. Doch scheinen die hochprozentigen Phosphate nur^in verhältnismässig geringer Ausdehnung vorhanden zu sein. An anderen Naturschätzen des Bezirkes "wären noch die Salzlager am Toten-Meer sowie die mineralischen l'estandteile des Wassers des Letzteren zu erwähnen, die wahrscheinlich eine Ausbeutung lohnen würden. Industrie Eine Industrie, die mehr als örtliche Bedeutung hätte, gibt es im Bezirke nicht. Erwähnenswert ist die Glasfabrikation in Hebron die Töpferei in mehreren Ortschaften der Umgebung Jerusalems. In Jerusalem und Umgebung arbeiten verschiedene Dampfmühlen, in Jerusalem auch eine Eisfabrik. Dass die Seifenfabrikation zurückgeht, ist schon oben bemerkt. Als einzige Industrie die für den Exporthandel in Betracht kommt, ist die Fabrikation von Devotionalien und Reiseerinnerungen zu nennen. Jerusalem ist bekannt durch seine Holzarbeiten Bethlehem durch die Arbeiten in Perlmutter. Diese Industrie gewinnt mehr und mehr an Bedeutung und ist der Export im Werte von 500000 -.4L zu schätzen. Die Klöster und die in Jerusalem tätigen Wohltätigkeitsvereine jeder Nationalität und jeder Konfession suchen Industrie und Handwerk zu heben durch Errichtung von Werkstätten und Ausbildung von Lehrlingen Hier ist auch die von einer jüdischen Gesellschaft in Berlin errichtete und unterhaltene Kunstgewerbeschule Bezalel zu nennen, welche bestrebt ist, das Kunstgewerbe in Jerusalem zu fördern und seine Erzeugnisseexportfähig zu machen. Die Ausfuhr betrug schätzungsweise für Seife........... 240000 M „ Wein.......... 30000 , , Rosinen.......... 80000 , „ Häute......... 20000 „ „ Getrocknete Därme..... 24 000 „ „ Devotionalien........ 500000 , 900 000 M. Die Stadt Jersualem hat allerdings an Einwohnern sehr zugenommen, und zwar besteht die Zunahme hauptsächlich aus von Russland und Rumänien eingewanderten Juden, welche nicht nur ausserordentliche Bedürfnisse sondern auch Unternehmungsgeist und zum Teil auch Kapital mitbrachten. Die letzten Jahre brachten für ganz Palästina eine Mehreinfuhr, woran die eingewanderten Juden, die sich vergrössernden jüdischen Kolonien und die aufblühende Handelsstadt Jaffa beteiligt sind. Es vergeht kein Jahr, in dem nicht eine oder mehrere grosse Wohltätigkeitsanstalten von Juden gebaut werden. Daneben haben sich verschiedene gemeinnützige jüdische Gesellschaften die Aufgabe gestellt ihren Glaubensgenossen bessere Wohnung zu verhältnismässig billigem Preis zu verschaffen." So ist nach dem Bericht des deutschen Konsuls der einzige Lichtblick in dem in jeder Hinsicht nicht nur stagnierenden, sondern zurückgehenden kulturellen und wirtschaftlichen Leben im Landkreis Jerusalem in der Zuwanderung der Juden gegeben. Diese offene, rückhaltlose Anerkennung des deutschen Konsuls ist ein wichtiges Zeitdokument. 29