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Palästina · 1910-01-01 · Heft 1 · p. Seite 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
7 (1910)
Issue
Heft 1
Article
Ein Land, darinnen Milch und Honig fliesst
Date
1910-01-01
Page
Seite 5 (sequence 2)
Language
German
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Mit dieser Deutung berührt sich die bildliche, wenn dieselbe auch ganz anderen Gesichtspunkten entspringt Ihre Vertreter weisen darauf hin, dass das wörtliche Verständnis dieser Redensart Schwierigkeiten macht, weil es in den fünf Monaten der regenlosen Zeit fast völlig an Grünfutter für das Vieh und an Blüten für den Honig fehlt. Prof. Dalman vom Archäologischen Institut in Jerusalem erklärt daher Milch und Honig als den Inbegriff alles Süssen für den Orientalen; der Ausdruck wolle besagen: Brot und Öl Palästinas seien nicht wie Brot und Öl anderer Länder, sie seien wie Milch und Honig oder, um mit den Griechen zu reden, wie Nektar und Ambrosia. Er beruft sich dafür auf die Auslegung unseres getreuen Challl, eines ungeehrten aber gewitzten Eingeborenen, der uns auf unsern Reisen als Diener begleitete und so erklärt: Der Ausdruck bedeutet, dass alle Erzeugnisse des Landes — Getreide wie Früchte — süss und wohlschmeckend sind wie Milch und Honig. Diese Auffassung lässt sich stützen durch die Erklärung der über anderthalb Jahrtausende alten jüdischen Haggada von „Milch und Honig". Andere, wie z. B. Oberlehrer Bauer vom Syrischen Waisenhause zu Jerusalem, der Verfasser des gediegenen Buches „Volksleben im Lande der Bibel", halten demgegenüber die spezielle Fassung aufrecht und bringen für dieselbe beachtenswerte Gründe bei. Danach besagt also das Wort, dass Israel sich im Lande Kanaan von der Milch seiner Herden ebenso reichlich wie von dem Honig nähren, soll. Der Herdenreichtum eines Abraham oder eines Hiob ist bekannt. Und der Bestand an Kleinvieh (Ziegen und Schafen) ist noch heute erstaunlich. Wir hatten am Jordan gezeltet und wollten nun ins Ostland hinüber. Aber an der hölzernen Brücke mussten wir lange warten. Es kamen gerade zwei Schafherden herüber, und wogen des Brückenzolls wurden sie .einzeln gezählt. Die erste Herde hatte 240, die andere 536 Stück. Nach Bauers Angaben enthält der Amtsbezirk Jerusalem (2000 qkm) den Steuerlisten von 1905 zufolge etwa 100000 Stück Kleinvieh; das macht auf 1 qkm 50 Stück, während in Deutschland auf dieselbe Bodenfläche nur 24 Stück kommen sollen; auf den Ebenen und im Ostjordanlande wird die Zahl noch grösser sein. Die Rindviehzucht nimmt allerdings erst in jüngster Zeit, dank den Bemühungen der deutschen und jüdischen Kolonisten, einen Aufschwung; das Rindvieh diente auch bisher zumeist als Arbeitsnicht als Milchtier. Welche Fülle an Milch es jedoch im Früh- 5

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