Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 10 (1927)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Wirtschaft. Von Dr. Kurt Grunwald, Tel-Awiw.
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 589 (sequence 2)
- Language
- German
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589 -Es ist fraglos, daß verschiedene Ursachen eine .leichte Entspannung bewirkt haben, vor aliem die Notstandsbauten, Wenn man gegenwärtig durch Tel-Awiw geht, findet man fast alle Hauptverikehrsadern in »Reparatur. Weiters werden programmäßige Arbeiten, wie der Bau des Jordan- Werkes und andere, über die in .dieser Zeitschrift schon berichtet wurde, J durchgeführt und wirken durch Entlastung des Arbeitsmarktes auch auf die gesamte Wirtschaft. Ferner darf auch nicht daran vergessen werden, daß viele Geschäfte, die durch-die Auswanderung von einer übermäßigen Konkurrenz befreit wurden, heute besser existieren können, als früher. Das alles mag wohl den Eindruck - einer Besserung hervorrufen, entspricht aber nur zum geringsten Teil der Wirklichkeit. Immerhin ist »aber die Stimmung eine etwas zuversichtlichere und man lernt langsam, sich von der Zionistischen Exekutive unabhängig zu machen. Ueberall plant man Selbsthilfeaktionen. So sendet der Industriellenverband eine Werbe- - delegation nach Amerika für. die von ihm begründete Industriebank u. a. m. Daß in dieser Einstellung grundlegende Fehler gemacht werden, daß fast alle Parteien von links bis rechts dem neuen Mitglied der Exekutive, Harry Sac!her, mit Mißtrauen und teilweise mit Ablehnung gegenüberstehen, kann hier nicht 'besprochen werden, obwohl es auch auf wirtschaftlichem Gebiete seine Folgen haben wird. /Im folgenden wollen wir uns nun mit einzelinen Fragen der Wirtschaft befassen. Die neue Währung. . Am 1. November wurde die palästinensische Währung in Umlauf gesetzt. Sowohl Münzen als Noten sind geschmackvoll hergestellt und tragen die Bezeichnungen in den offiziellen Landessprachen. Die hebräischen Zeichen haben auch dazu geführt, daß man in Transjordanien bis zur letzten Minute Schwierigkeiten mit der Uebernahme der palästinensischen Währung machte und sich die Emission einer eigenen Währung vorbehielt/So begnügte man sich einstweilen mit der Forderung nach einem entsprechenden Anteil an dem Gewinn der Währung. Man könnte die neue Währung einer Kritik unterziehen, vor allem weil sie gegen die Vorschläge der von der Regierung eingesetzten Kommission gemacht wurde und man geradezu das Gegenteil dessen getan hat, was sie vorschlug. An Stelle einer niedrigen Münzeinheit, die mit zur Herabsetzung des übergroßen Standards geführt hätte, wurde eine Angl eichung an-das englische Pfund durchgeführt. Das mag allerdings auch seine Vorteile haben, da dadurch das Vertrauen in die Währung ein . größeres ist. Haben doch große Teile der arabischen Bevölkerung und vereinzelt au ah Juden (des neuen Jischuw!) mit der Umwecihslung gezögert. Immerhin bewirkte die Währungsänderung eine Verbilligung um 2,5 Pro- . zent (der Differenz zwischen dem ägyptischen und dem britischen Pfund). Es haben zwar, wie verlautet, die Eisenbahner die Forderung an die Regierung gerichtet, ihre Bezüge in der Höhe der in ägyptischen Pfund berechneten auszuzahlen. Doch ist zu erwarten, daß diese Forderung abgelehnt wird, da man dadurch einen Präzedenzfall schaffen würde, der einen Vorteil der neuen Währung vernichten könnte. Der Außenhandel im ersten Halbjahr 1 927. Der Import im ersten Halbjahr 1927 betrug ägypt. Pfund 2,994.106, das sind *um ägypt. Pfund 274.989 oder 8,4 Prozent weniger als in der gleichen Periode des Vorjahres. Zu diesem Verhältnis dürfte die gesteigerte Inlandsproduktion ebenso beigetragen haben wie die Auswanderung und Depression, was sich auch darin zeigt, daß der Rückgang fast gänzlich in der Gruppe . der Fertigwaren und nicht in jener der Rohmaterialien zu finden ist. Erfreulicherweise hat der Export in dieser Zeit eine außer ordentliche Steigerang erfahren. Er. betrug ägypt. Pfund 1,046.657, was eine Steigerung von ägypt. Pfund 369.310 oder 54,4 Prozent bedeutet. Hervorgerufen wurde -diese Mehrausfuihr hauptsächlich durch den Orangen- und Seifenexport.