Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 21 (1938)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1938)
- Article
- Eine Hauptstadt für den Judenstaat
- Date
- 1938-02-01
- Page
- Seite 75 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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a) Vor allem sollen natürlich die einzelnen Teile des Landes von der Hauptstadt möglichst gleichmäßig leicht erreichbar sein. Es ist also der Schwerpunkt der Landesfläche zu bestimmen. Für den Judenstaat erhält man (empirisch., mit Hilfe einer Stecknadel) auf der Karte den Punkt A. b) Nun sind aber nicht alle Teile des Landes von gleicher Wichtigkeit. Diese wächst mit der Bevölkerungsdichte. Betrachtet man die Bevölkerungsdichten als Gewichte, so erhält man an Stelle des geometrischen Schwerpunktes den Massenschwerpunkt B. Danach müßte die Hauptstadt des Judenstaates irgendwo nahe den Punkten V und B liegen. c) Nun ist aber der strategische Gesichtspunkt in Betracht zu ziehen. Die Grenzen sind potentionelie Einbruchsstellen in das Gebiet. Die Grenzen sind allerdings nicht überall gleich gefährlich. Für den Judenstaat wird man annehmen dürfen, daß die Landgrenzen viel gefährlicher, sagen wir etwa fünfmal so gefährlich als die Meeresgrenzen sind. Man zieht dann Linien gleicher Gefahr, die auf unserer Karte von der Küste je 1 km, von der Landgrenze je 5 km entfernt sind. Man bekommt so ein zentrales Gebiet größter Sicherheil, das wir mit C bezeichnen. Man sieht nun. daß beide Punkte A und B außerhalb des Gebietes C liegen^ d. h. sie liegen exzentrisch. Dies weist auf die ungünstige geometrische Gestalt und die noch ungünstigere Bevölkerungsverteilung des projektierten Judenstaates hin. Sein geometrischer Schwerpunkt liegt außerhalb seines zentralen Gebietes, weil seine geometrische Gestalt aus einer kompakten Fläche (Galiläa) und einem langen Streifen (Küstenebene) zusammengesetzt ist. Noch exzentrischer ist sein Bevölkerungsschwerpunkt, weil die große Stadt (Tel- Aviv) nahe dem Endpunkte des Streifens liegt. Exzentrisch gelegene Hauptstädte sind aber ungünstig. Kürzlich haben wir erlebt, wie aus diesem Grunde die Hauptstadt Rußlands von Leningrad nach Moskau, die Hauptstadt der Türkei von Istanbul nach Ankara verlegt wurde. Wir kommen also zum Resultat, daß die Hauptstadt im Gebiete C. aber gegen A und B hin gelegen sein müßte. 7. Die Gesichtspunkte a). b) und c) gelten ganz allgemein für die Wahl einer Hauptstadt, Als vierter, spezifisch palästinensischer, ist d) der klimat i s c h c anzuführen. Es braucht nicht vieler Worte, um zu betonen, daß in Palästina das Aclministrationszentrum so hoch als möglich gelegen sein soil. Die höchste Lage ist die klimatisch günstigste. Auf der Karte sind die Schichtenlinien von M)0 m eingetragen: innerhalb dieser soll die Hauptstadt womöglich liegen.*) Berücksichtigt man nun alle genannten vier Gesichtspunkte, so erhält man /.wangsläufig für die Lage der Hauptstadt des Judenstaates ein Gebiet nordwestlich des arabischen Dorfes Isfiya, auf der Spitze des Kannelrückens, in einer Höhenlage von rund 500 m über dem Mittelländischen Meere. Diese Hauptstadt müßte natürlich durch gute Straßen sowohi längs des Rückens mit Haifa, als auch einerseits mit der Tel-Aviv—Haifa-Straße via Zikhron Yacov, andererseits mit der Haifa—Emek-Straße bei Kfar Hassidim verbunden werden. Nen- *) In manchen tropischen Ländern gibt es aus diesem Grunde eine Winter- und eine S o m m e r -Hauptstadt.