Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 21 (1938)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1938)
- Article
- Zionistische Industriepolitik
- Date
- 1938-02-01
- Page
- Seite 70 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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aktiver Mitarbeit gewährt wird, werden häufig die vorhandenen Leitungsposteu nicht so sehr unter dem Gesichtspunkt der Eignung wie dem der Kapitalgewinnung besetzt. Eine spätere Korrektur ist dann durch die Verquicku»$? mit der finanziellen Beteiligung sehr erschwert, was manchmal für sonst aus* sichtsreiche Reorganisationspläne ein ernstes Hindernis bildet. d) Die Aussichtslosigkeit oder Unwahrscheinlichkeit einer späteren zusätzlichen Finanzierung erhöht für den gründenden Kapitalisten das Risiko seiner Investierung. Stellen ,sich im Laufe der Arbeit seine finanziellen Mittel aus irgend einem Grunde als ungenügend heraus, so gibt es fast keinen Ausweg als einen Besitzwechsel, das heißt meistens eine Realisation der Investierung mit großem oder völligem. Verlust und den Verzicht auf die Chance» bei Weiterarbeit noch einmal an den Früchten der durch seine Opfer vorbereiteten Erfolge teilhaben zu können. e) Unzulänglichkeit der eigenen Mittel treibt zu hoher Verschuldung. Das Mißverhältnis von eigenen und fremden Mitteln und die Verquickung von kurzfristiger Verschuldung mit illiquiden Anlagen schaffen eine ständige Gefahr für die Existenz des Betriebes, besonders in Zeiten, wo aus allgemeinen Gründen die Geschäftsentwicklung oder die Kreditgewährung eine Einschränkung erfährt. Die Gefahren des bisher zur Anwendung gelangten Finanzierungssystem* zeigen sich heute an vielen Stellen. Unterkapitalisierung, Illiquidität, hohe Verschuldung, manchmal Betriebseinstellung oder Zusammenbruch, charakterisieren die Verhältnisse vieler Unternehmungen. Sie tragen ihr erhebliches Teil zum Bilde der gegenwärtigen Depression in der Industrie bei. Der Konjunkturniedergang hat sie nicht verursacht, sondern höchstens ihr Offenbarwerden beschleunigt. Ein Umsatzrückgang würde bei Betrieben, die mit ausreichenden eigeneat Mitteln arbeiten, die Liquidität und nicht die Illiquidität erhöhen. Bei überschuldeten Unternehmungen allerdings kann er, wenn den Verpflichtungen gegenüber die Kasseneingänge zurückbleiben, unmittelbare Veranlassung zum Zusammenbruch werden. In den gegenwärtigen Depressionserscheinungen der Industrie mischen sich, wie wir zu Beginn sagten, konjunkturelle mit strukturellen Faktoren. Der allgemeine Niedergang der Konjunktur — ausgelöst durch bestimmte politische und wirtschaftliche Ereignisse — wirkt auf die Lage der Industrie wie der gesamten Wirtschaft ein. Daneben existiert der besondere Krisenherd der vom Einwanderungsrückgang stark betroffenen Investitionsgüterproduktion. Und schließlich kommen im gegenwärtigen Zustand mit voller Macht alle Schwierigkeiten zum Ausdruck, die in dem für das heutige Stadium der Industrie charakteristischen Rentabilitäts- und Finanzierungsprobleme angelegt sind. Alle drei Ursachenschichten zusammen erst ergeben ein zutreffendes Bild von der Lage der Industrie, eine Erklärung für ihre Schwierigkeiten und einen Ansatzpunkt für alle Ucberlegungen und Maßnahmen der künftigen Industriepolitik. (In der nächsten Nummer der Zeitschrift werden wir als Fortsetzung des Artikels Vorschläge des Verfassers zur Verbesserung der Lage bringen. Die Redaktion.)