Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 21 (1938)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1938)
- Article
- Zionistische Industriepolitik
- Date
- 1938-02-01
- Page
- Seite 69 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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und Betriebsführung ist in der palästinensischen Industrie, von einigen Großbetrieben abgesehen, kaum anzutreffen. Die Kapitaldecke eines Industrieunternehmens reicht heute so weit, wie die persönlichen finanziellen Mittel seines jeweiligen Inhabers. Für ihre Ergänzung, falls sie sich als unzureichend erweisen, gibt es in der Regel nur den Weg der Aufnahme neuer Teilhaber, oder, falls der Betrieb bereits in kritischer Lage ist, des Ueberganges in andere Hände unter großen Verlusten für den Vorbesitzer. Kreditmöglichkeiten für die Industrie beschränken sich bisher auf relativ großzügige Gewährung von kurzfristigem Kredit durch Diskont oder Beleihung von Wechseln, auf gewisse, in ihrer technischen Abwicklung komplizierte und außerdem teure Möglichkeiten des Warenlombards, und schließlich auf eine beschränkte, im Ausmaß sehr vorsichtige mittelfristige Kreditgewährung seitens der Anglo-Palestine Bank.12) Kredite also, die nicht mehr sein können um! sollen als eine Ergänzung des Umlaufkapitals des Betriebes. Völlig fehlt in diesem System der Kapitalisierung die Beteiligung öffentlicher Gelder, wie sie heute in allen sich neu industrialisierenden Ländern organisiert ist, sei es durch direkte Gründung staatseigener Industriebetriebe oder durch Beteiligung an der Finanzierung durch die Banken vom Staat z«i diesem Zweck geschaffen wurden. Fast vollständig fehlt auch die Finanzierun^smöglichkeit auf dem privaten Kapitalmarkt in anonymer Form, sei es durch unmittelbare Aktienplacierung oder durch Dazwischenschalten von Investicrungsgesellschaften. Ebenso fehlt fast völlig die Möglichkeit langfristiger Kreditaufnahme durch Bankanleihen oder Obligationenverkauf.1-) Aus dieser einseitig entwickelten und „kapitalistisch'4 unvollständigen Struktur des Finanzierungssystems ergeben sich Konsequenzen, die in der heutigen Lage der Industrie zum Ausdruck kommen: a) Der Aufbau der Industrie hängt von der zufälligen Kombination von Initiative, Fachkönnen und Kapitalbesitz ab. Industrielle Möglichkeiten werden ausgenutzt oder vernachlässigt, Betriebszweige werden übersetzt oder verkümmern, je nachdem aus ganz persönlichen Konstellationen, Entschlüssen und Berechnungen sich Interessenten, Fachleute und Kapitalisten dafür zusammenfinden. b) Das Schicksal des einmal gegründeten Betriebes hängt entscheidend davon ab, ob der mit ihm zusammenhängende Personenkreis die finanziellen Mittel zu seiner Erhaltung, zur Ausnutzung seiner Chancen und zur Stärkung bei Rückschlägen hat. Sind, wie es bei den in Palästina arbeitenden IndustrieHerw in der Regel der Fall ist, die finanziellen Mittel im Verhältnis zu der Schwierigkeit der Arbeit begrenzt, so ist die Entwicklung des Betriebes, ja häufig auch sein Bestand, ständig gefährdet. c) Ebenso wie die Finanzierung von dem Personenkreis, so ist umgekehrt die Heranziehung der geeigneten Kräfte zur Betriebsleitung von der Rücksicht auf die Finanzierung abhängig. Da Kapital in der Regel nur unter der Bedingung J-) Ganz kürzlich wurde erstmalig beschlossen, in einer Gesamtllöhe von zunächst LP 25.000 (an denen auch der Keren Hajessod beteiligt ist) Industriekredite mit zehnjähriger Laufzeit an einem bestimmten Kreis geeigneter um! besonders wichtiger Betriebe zu gewähren.