Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 21 (1938)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1938)
- Article
- Zionistische Industriepolitik
- Date
- 1938-02-01
- Page
- Seite 64 (sequence 3)
- Language
- German
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logische und echte Kaufkrafthemmungen steigern steh so in ihrer Wirkung, es beginnt der aus allen Depressionsepochen bekannte Kreislauf von Einkommens- Verringerung, Konsumeinschränkung und neuer Einkommenschrumpfung, von wachsenden finanziellen Schwierigkeiten und entsprechend wachsendem finanziellen Mißtrauens. Auf die Industrie müssen sich alle diese Vorgänge krisenhaft auswirken: ihre Umsätze schrumpfen, Außenstände werden unsicher, die eigenen Kredite beschnitten, die Preise stehen — im Gegensatz zu der Steigerung der Materialpreise — unter starkem Druck, die Rentabilitätsspanne verkleinert sich. Die „Geschäfte" in der palästinensischen Industrie gehen schlecht, sie müßten heute schlecht gehen, selbst wenn es im Aufbau ihrer Unternehmungen keine schwachen Punkte gäbe und der Eindruck dieser Verhältnisse wirkt wiederum abschreckend auf die Investitionsbereitschaft neuer Kapitalien, deren Zustrom in anderen Zeiten häufig die Unternehmungen auch über Schwierigkeiten hinweg vorwärtsgetragen hat. Die Beschreibung der konjunkturellen Situation gibt aber nur eine unvollkommene Erklärung der Lage in der Industrie. Tielerliegende Faktoren, die weder übersehen, noch unterschätzt werden dürfen, kommen heute zugleich mit ihr zur Auswirkung. Die Krise der Investitionsgüter-Industrie. Der Rückgang der Einwanderung konnte bei der großen Rolle, die diese bisher in der palästinensischen Wirtschaft spielte, nicht ohne schwere Rückr Wirkungen auf die gesamte Wirtschaft bleiben. Die Wirtschaft hatte sich daran gewöhnt, in allen ihren Zweigen — in der Versorgung des täglichen wie des Investitionsbedarfes — mit einer ständigen Expansion zu rechnen, und das Geheimnis der „Prosperity" beruhte — nach einer vielbeachteten Erklärung von Horowitz1) — zum großen Teil darauf, daß die in wachsendem Maße importierte Kaufkraft dem erst allmählich sich entwickelnden Produktionsapparat ständig vorauseilte. Diese besondere Auftriebskraft hätte selbst bei konstanten Einwanderungsziffern erlahmen müssen, je mehr im Laufe der Jahre die Bedeutung des frisch eingewanderten Teiles relativ zu der Zahl der schon im Lande produzierenden Bevölkerung an Gewicht verlor. 30.000 Einwanderer etwa bedeuteten 1933 eine Vermehrung der jüdischen Bevölkerung um ca. 15%, die gleiche Einwandererzahl 1936 dagegen nur noch einen Zuwachs von ca. 8°/o.2) Bei sinkenden Einwanderungsziffern aber, wie wir sie in den beiden letzten Jahren haben, mußte sich die konjunkturfördernde Kraft der Einwanderung noch schneller verlieren. Der Einfluß der Einwanderung, im positiven wie im negativen Sinne, ist aber in verschiedenen Zweigen der Wirtschaft sehr unterschiedlieh. Während der starken Einwanderung war der laufende Konsumbedarf, die Umsätze im Lebens- J) David Horowitz „Das Konjunkturrätsel in Palästina'1, in Zeitschrift „Palästina", 1934, Nr. 6/7. -) Das Verhältnis der jüdischen Einwanderung zu der (am jeweiligen 30. Juni) bereits im Lande befindlichen jüdischen Bevölkerung betrug: 1931 — 2,4 Prozent; 1932 5.3 °.o; 1933 14,5o/o; 1934 16,««>; 1935 19s3»o; 1936 8,0 Prozent; 1937 (Monatsdurchschnitt 1000) 3,1 o/o.