Mannheim
Compact Memory

Palästina · 1938-02-01 · Heft 2 (Februar 1938) · p. Seite 63

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
21 (1938)
Issue
Heft 2 (Februar 1938)
Article
Zionistische Industriepolitik
Date
1938-02-01
Page
Seite 63 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2379786-2379966-2379968-2414490--26748-2414623
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

war bisher im wesentlichen abseits der Bestrebungen und des aktiven Interesses der wirtschaftspolitischen Instanzen des Landes — sei es Regierung oder Zionistische Organisation — erfolgt. Was entstand, entwickelte sich aus privater Initiative und mit privaten Mittein. Es dokumentiert in seinen Fortschritten alle Leistungsfähigkeit privater Unternehmungslust und Einsatzbereitschaft, aber im Chaos der Bestrebungen und in der willkürlichen und zufälligen Begrenztheit der Mittel — an Geld und an Können — auch alle Unzulänglichkeit solcher, von keiner übergeordneter Instanz geregelten und geförderten, rein individuellen Bemühungen gegenüber der Schwierigkeit einer Neuschöpfung. Die Mängel dieser Situation sind heute nicht mehr zu übersehen: Die palästinensische Industrie geht einen Weg des Raubbaues an Menschen und Mitteln, ihre Fortschritte sind durch schwere Opfer erkämpft, ihre Möglichkeiten durch Mängel ihrer Struktur unnatürlich eingeschränkt. Diese besondere Konstellation — die schwierige Lage der bestehenden Industrie auf der einen Seite und die großen Aufgaben, die ihr heute und in Zukunft gestellt sind andererseits, rücken heute den Industrieaufbau zwangsweise in den Vordergrund zionistischer Wirtschaftsüberlegungen. Die Einsicht in die Bedeutung der Industrialisierung für die Entwicklung des Landes, aber auch die Schwierigkeiten dieser Aufgabe und die Unzulänglichkeit der bisher um sie bemühten Kräfte stellt den Zionismus vor die Notwendigkeit, dem Industrieaufbau eine zentralere Stellung als bisher in seinem Wirtschaftsprogramm und Kräfteeinsatz zu widmen. Nur eine klare und starke zionistsche Industriepolitik kann der Größe und Schwere der Aufgabe gerecht werden. IL Analyse der industriellen Situation. Jede künftige Industriepolitik muß an den bisherigen Industrieaiifbau anknüpfen. Sie soll nicht nur ein Programm für künftige Industriegründlingen entwickeln, sondern auch der bestehenden Industrie zu einer Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen verhelfen. Sie übernimmt in dem bereits Geschaffenen einerseits einen großen Schatz von Ergebnissen und Erfahrungen, andererseits aber auch die Aufgabe, Mängel und Fehlleistungen der Vergangenheit auszugleichen und wieder gut zu machen. Sie beginnt, was ihre praktische Arbeit schwer und zugleich besonders dringlich macht, in einer Zeit starker allgemeiner und industrieller Depression. In den gegenwärtigen Depressionserscheinungen der palästinensischen Industrie, deren Verständnis die Voraussetzungen aller weiteren Ueberlegungen über positive Maßnahmen ist, mischen sich konjunkturelle mit einer Reihe von strukturellen Faktoren. K onjunktureinllüsse: Seit über zwei Jahren wirken eine Reihe außerwirtschaftlicher Einflüsse — die außenpolitische Unsicherheit,, die Unruhen im Lande, die Einschränkung der Einwanderung und die Ungewißheit über die weitere politische Entwicklung — notwendig im Sinne einer Beeinträchtigung der wirtschaftlichen Aktivität. Spezielle wirtschaftliche Krisenursachen verstärken noch diese W.'rkung: die internationale Roh Stoff teuerung wirkt wie eine Kürzung der palästinensischen Realeinkommen; das schlechte Ergebnis der Orangensaison bringt einen wichtigen Sektor der Wirtschaft in schwierige finanzielle Verhältnisse. Psycho-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.