Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 21 (1938)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1938)
- Article
- Betrachtungen über die Triebkräfte der jüdischen Wirtschaft
- Date
- 1938-02-01
- Page
- Seite 62 (sequence 12)
- Language
- German
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1. Auf ungehinderte Einwanderung — daher ist Wirtschaftspolitik zunächst politischer Kampf. 2. Auf die Aufrechterhaltung des Glaubens und des Vertrauens des Jischuw und der Golah auf eine neue große Einwanderung. Die „Einwanderungspause" darf nicht in eine strukturelle Krise umschlagen. Zionistische Industriepolitik. Von Dr. Erwin Wittkowski, Tel-Aviv. I. Notwendigkeit und Bedeutung der Industriepoiitik. Heute schon, noch mehr aber im Hinblick auf künftige Entwicklungsmöglichkeiten, muß die palästinensische Industrie als eine der Schlüsselpositionen im Rahmen der gesamten Wirtschaft angesehen werden. Als Einkommensquelle für rund ein Viertel der jüdischen Bevölkerung — ohne Hinzurechnung der Bauwirtschaft — stellt sie für die Produktion des Landes, insbesondere auch für die Landwirtschaft, die wichtigste Konsumentengruppe; mit einem Nettoproduktionswert zwischen 4 und 5 Millionen Pfund leistete sie — unter entsprechender Entlastung der Handelsbilanz, den größten inländischen Beitrag zur Güterversorgung der Bevölkerung. Die Aufnahmefähigkeit des Landes, nach früheren Meinungen ausschließlich abhängig von der Besiedlungsfähigkeit des Bodens, wird heute schon in starkem Maße beeinflußt durch die Entwicklung der Industrie: seit mit der Intensivierung der Landwirtschaft das Produktionszu einem Absatzproblem geworden ist, hängt ihr werterer Ausbau nicht mehr nur von den natürlichen Möglichkeiten, sondern auch von der gleichzeitigen Entwicklung eines kaufkräftigen städtischen Marktes ab. Die durch inländische Produktion sonst importierter Industriewaren dem Lande erhaltene Kaufkraft ist es, die die Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion über die Grenzen des Eigenbedarfs der landwirtschaftlichen Bevölkerung und der von ihr abhängigen verwaltenden und verteilenden Berufe erlaubt (vom landwirtschaftlichen Export abgesehen), — und sollte es der künftigen industriellen Entwicklung darüber hinaus gelingen, in beachtlichem Umfange exportfähige Produktion zu schaffen, so ergeben sich Expansionsmöglichkeiten für die Aufnahmefähigkeit des Landes, die nicht wie die der Landwirtschaft einmal an, natürliche Grenzen stoßen. So kann man sich eine künftige Konstellation vorstellen, die die bisherige Anschauung, daß alle „städtische" Betätigung in Palästina in einer gewissen abhängigen Proportion zu der Entwicklung der Landwirtschaft zu stehen habe umkehrt und der Industrie die Rolle des entscheidenden Faktors zuweist, der über die Ausdehnungsmöglichkeiten der Landwirtschaft und über die Gesamtzahl der im Lande verwurzelbaren Einwanderer aller Wirtschaftszweige überhaupt letzten Endes entscheidet. Der bisherige Industrieaufbau offenbart aber nicht nur die Wichtigkeit, sondern auch die Schwierigkeiten und Mängel der bisherigen Entwicklung. Sie