Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 21 (1938)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1938)
- Article
- An der Schwelle des neuen Wirtschaftsjahres
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 33 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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einen — wenn auch verhältnismäßig starken — Augenblickserfolg mit sich. Wenn die Arbeiten aber beendet und die Mittel verausgabt sind, erlischt ihr konjunktureller Effekt. In entwickelten Industrieländern, in denen Krisen Uebergangscharakter haben, und es sich darum handelt, das Warenangebot auf den Märkten nicht zu vermehren, haben öffentliche Arbeiten als Ankurbelungs- und Ueberbrückungsmaßnahmen ihren guten Sinn. Die Situation der palästinensischen Wirtschaft ist eine andere. Ihr depressiver Zustand beruht nicht auf Ueber-, sondern auf Unterproduktion. Der Import absorbiert einen großen Teil der vorhandenen /Kaufkraft und leitet sie ins Ausland. Die Arbeitsbeschaffung und die dafür aufzubringenden Mittel wären daher in stärkerem Maße der Entwicklung der Güterproduktion zuzuführen, die im Gegensatz zu den öffentlichen Arbeiten dauernder Natur ist und den Import zurückdrängt, die Kaufkraft in stärkerem Maße der eigenen Wirtschaft zuführt und das Defizit der Handelsbilanz herabdrückt. Für ein derartiges industrielles Arbeitsbeschaffungsprogramm kommt zunächst die Wiederinbetriebnahme stillgelegter und eine verstärkte Kapazitätsausnutzung unterbeschäftigter Betriebe in Betracht, die mit verhältnismäßig geringen Mitteln möglich ist. Darüber hinaus wäre ein Programm solcher Industrieprodukte aufzustellen, für die im Inland ausreichende Absatzmöglichkeiten bestehen, so daß eine Industrie rentabel beschäftigt werden kann. Die industrielle Produktion wäre durch ein Zoll- und Organisationsprogramm, das Maßnahmen zum Markt- und Preisschutz der industriellen Produktion vor äußerer und innerer Konkurrenz vorsieht, zu fördern. Die Durchführung eines derartigen Programmes wäre geeignet, der palästinensischen Wirtschaft auf längere Sicht von innen heraus neue Impulse zu geben, indem die politische Uebergangszeit zur Ausfüllung der Entwicklungslücken der letzten Jahre genutzt wird. Die Finanzierung setzt (wie auch die Arbeitsbeschaffung durch öffentliche Arbeiten) den Einsatz öffentlicher Mittel, die in geeigneter Form zu kreditieren wären, voraus. Sie dürften sich in mäßigen Grenzen halten und im Rahmen eines zielbewußten, fundierten Programmes aufzubringen sein. Für ein derartiges Programm ist aber auch die Mithilfe der Regierung (nicht nur hinsichtlich der Zollgesetzgebung) zu beanspruchen. Es handelt sich jetzt um Ueberbrückung eines nunmehr jahrelang anhaltenden und weiter in der Schwebe belassenen politischen Notstandes, demgegenüber die Regierungsinstanzen in Jerusalem und London sich ihrer Verantwortung und Verpflichtung zur Auf rech terhaltung des Wirtschaftslebens nicht auf die Dauer entziehen können. Nachwort: Soeben wird von der Palästinaregierung die Ernennung eines besonderen Wirtschaftsberaters des High Commissioners in der Person des bisherigen Treasurers der Kenya-Regierung, Mr. G. Walsh, bekannt gegeben. Der Inhaber des neuen Amtes hat die Aufgabe, sich in Zusammenarbeit mit den Institutionen der Industrie und des Handels (Handelskammern, Industrieverbände und andere Organisationen) mit allen einschlägigen Fragen zur Förderung von Industrie und Handel zu befassen. Die Schaffung dieses Amtes deutet darauf hin, daß die Regierung die Notwendigkeit erkannt hat, sich der wirtschaftlichen Situation in stärkerem Maße als bisher anzunehmen. Es ist nunmehr die Aufgabe der jüdischen Instanzen, der Regierung ein umfassendes Programm vorzulegen.