Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 21 (1938)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1938)
- Article
- Das neue Weissbuch
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 27 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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»ein*) — wohl aber in einer Richtung, die in bestimmter Weise die Frage der jüdischen Kolonisation in den Nachbarstaaten mit einer Regelung in Palästina verknüpft. Diese selbst müßte auf den zwei Grundprinzipien beruhen: daß die Juden ein gleichberechtigtes, autonomes Staatsvolk und keine Minderheitsnatioii seien und ihre Einwanderung nach Maßgabe der wirtschaftlichen Möglichkeiten festgesetzt wird, die sie ja zum größten Teil durch ihre eigenen Unternehmungen schaffen oder entwickeln. Es gibt in der Politik weder Lösungen für alle Zeiten, noch solche nach Formeln, für die nicht die realen Voraussetzungen vorhanden sind. Gerade die Engländer, die nicht nur eines der begabtesten Völker für Politik sind, sondern mit denen wir auch tatsächlich zu verhandeln haben, sind Meister in bezu/j auf die Politik des Kompromisses, das heißt der Erzielung des jeweils gerade Möglichen, ohne damit der Zukunft zu präjudizieren, in der sich bei Aenderung der Kraftverhältnisse wieder andere Chancen ergeben können. Auch die .luden müßten ihre Vorliebe für den Doktrinarismus aufgeben, sie müßten auch die kleinste Chance, ihren Status und dessen Wirkungsgrad zu verbessern, ergreifen, wenn sie dabei nicht wesentliches preisgeben müssen. Die andere und bei weitem bessere Alternative, daß der jüdische Staat doch in einer solchen Form realisiert werden könnte, daß er für die Juden an* nehmbar wäre, ist wie gesagt durch das Weißbuch stark in Frage gestellt. Denn wenn wirklich ein großer Teil von Galiläa dem jüdischen Staat weggenommen werden sollte, so hätte das zwar eine Verringerung der arabischen Minderheit zur Folge, aber dies wäre mit einer solchen Verkleinerung des Areals wie der weiteren Siedlungsmöglichkeiten und einer untragbaren Verschlechterung der Grenzen verbunden, daß dies für die Juden unannehmbar wäre. Andererseits ist die Frage der Zugehörigkeit des jüdischen Teiles von Jerusalem zum jüdischen Staat, die Forderung der Zionisten wegen Kolonisationsmöglichkeiten im britischen Korridor und des Zuschlages des Negew zum britischen Mandatsgebiet bisher mit keinem Worte von britischer Seite Er» wähnung getan worden. Doch ist es andererseits, nachdem die Kommission nicht an den Peel-Plan gebunden ist, möglich, daß sie in bezug auf Jerusalem, den Korridor und den Negew Vorschläge erstattet, die den Juden das Staatsprojekt annehmbar erscheinen ließe, das ja an und für sich ein außerordentlich verlockendes ist, da es die Eigengesetzgebung auf den entscheidenden Gebieten, Boden, Steuerwesen, Einwanderung u. s. w. mit sich bringt und die Juden zu einem gesuchten Vertragspartner machen würde, der etwas zu geben hätte. Daß aber diese Lösung zur Tatsache werde, dazu wäre nötig, daß die Zionisten sich endlich energisch und klar zum Judenstaatsprojekt bekennen. Nach der neuesten Haltung der Zionisten Englands scheint dort ein Umschwung ein* getreten zu sein. Es ist zu hoffen, daß dies auch in Amerika der Fall sein wird. Nur mit positiv gerichteter, ein festes Ziel anstrebender Politik kann ein Erfolg erzielt werden. *) W ährend der Drucklegung dieser Nummer wurde eine Erklärung der Exekutive, des \\ aad Leumi und anderer leitender Körperschalten veröffentlicht, daß kein Vorschlag eines Minoritätsstatus für die Juden jemals angenommen werden kann.