Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 21 (1938)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1938)
- Article
- Das Steuerwesen im künftigen Judenstaat
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 23 (sequence 11)
- Language
- German
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Es gibt nämlich noch eine zweite Möglichkeit, und leb kann von außen nicht beurteilen, welche Möglichkeit die richtige ist. Auch eine schlechte Steuerverwaltung stört nämlich dann die Bevölkerung nicht und gibt zu Beschwerden keinen Anlaß, wenn die Gesamthöhe der Steuern so gering ist, daß sie für die Einzelnen kaum belastend ist und das ist noch dazu bei dem Fehlen von Einkommensteuer und Gewerbesteuer und dem Ueberwiegen der Zolleinnahmen hier im Lande' ja bisher der Fall. Es könnte also durchaus sein, daß die Verwaltung des Steuerwesens für so niedrige Steuern, wie sie zur Zeit insgesamt erhoben werden, ausreicht, aber bei einer wesentlichen Erhöhung der Steuern trotzdem unzureichend sein würde. Und das ist gerade das zweite, was man aus den vorgetragenen Betrachtungen über wissenschaftliche Steuerlehre als Folgerung ziehen sollte: Es kann wohl heute noch niemand übersehen, wie sich die Finanzverhältnisse im neuen Staate, wenn er kommt, gestalten werden, aber daß in der ersten Zeit große Anforderungen an den Staat und damit auch erhöhte Steuer-Anforderungen kommen werden, scheint mir klar. Es wäre also eine wichtige Aufgabe, die gegenwärtige Stetierverwaltung genau zu kennen und daraufhin zu prüfen, wie weit sie für den neuen Staat übernahmefähig ist oder welcher Ergänzungen und Aenderungen sie bedarf. Verwaltungs-Erfahrungen über bestimmte Steuerarten müssen ja ferner bei der Stadtverwaltung Tel- Aviv vorliegen. Es war mir leider bisher noch nicht möglich, mich über diese Erfahrungen genauer zu unterrichten. Ich bin am Ende meiner Ausführungen und möchte sie nur noch mit einem allgemeinen Hinweis beschließen: Was ich hier von Steuer-Verwaltung gesagt habe, gilt in etwas anderer Weise natürlich von der gesamten Staats-Verwaltung. Eine eigene jüdische Verwaltung ist sicherlich ein überaus schwieriges Kapitel, weil große Teile des jüdischen Volkes von früher her gewohnt sind, in Beamten und Staat einen Gegner zu sehen und die Umstellung auf eigenen Staat und eigener Beamtenschaft psychologisch keine leichte Aufgabe sein wird. Desto wichtiger ist eine Stärkung des Staatsgedankens und die Aufgabe muß, wie mir scheint, sein: ein zahlenmäßig möglichst kleines, aber hoch qualifiziertes und sozial gehobenes Beamtentum zu schaffen. Die V orarbeiten in dieser Hinsicht sollten hier, meine ich, sehr ernst genommen werden.