Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 5 (1908)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Missionstätigkeit des Franziskanerordens im hl. Lande
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 192 (sequence 2)
- Language
- German
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ihnen nichts verloren geht; gelingt ihnen dies, so haben sie schon vieles geleistet; so etwas macht aber kein Aufsehen. Dazu kommt als eigenartige „Hauptaufgabe" die Sorge für die Sanktuarien oder Heiligtümer, das Pilgerwesen, die christliche Liebestätigkeit, überhaupt die Wahrung der christlichen Interessen im Heiligen Lande. Die Sorge für die heiligen Stätten steht in erster Linie der Kustodie zu. Sie besitzt bei weitem die meisten und wichtigsten Sanktuarien und hat an denselben zahlreiche neue Kapellen erbaut oder sonst für würdige Ausschmückung und Instandhaltung Sorge getragen, was mit grossen Unkosten verbunden ist. Mit der Sorge für die hl. Stätten ist die Pilgerpflege aufs engste verbunden. Ihre Geschichte spiegelt sich oft in rührender Weise in den zahlreichen Pilgerbüchern alter und neuer Zeit wieder. Die amtliche Pilgerpflege liegt noch immer in den Händen der Franziskaner, die auch in dieser Beziehung Grosses leisten. Sie besitzen heute meist neugebaute oder wenigstens verbesserte und erweiterte Pilgerhäuser in Jerusalem (die Casa Nova und das neue Hospiz neben der Geisselungskapelle), in Bethlehem, St. Johann, Emmaus, Ramie, Jaffa, Nazareth, Tiberias und auf dem Tabor. Es werden in diesen Häusern Pilger aller „Nationen" aufgenommen, und zwar unentgeltlich (die Katholiken 15 Tage, die Andersgläubigen 7 Tage) also so lange, dass sie alle Heiligtümer an den betreffenden Orten mit Andacht und Eifer besuchen können. Aber auch die Seelsorgearbeit der Kustodie ist eine sehr bedeutende, wie Herr G. Gatt bezeugt; denn er schreibt darüber folgendes: „Die Kustodie besitzt heute noch alle Pfarreien, die sie vor Errichtung des Patriarchats besass, nämlich die von Jerusalem, Bethlehem, St. Johann, Ramie, Jaffa, Akka und Nazareth. Seitdem kamen noch die Pfarreien von Tiberias, Kana, letztere von Pater Aegidius Geissler gegründet, dazu. Die Pfarrei von Bethlehem zählt allein 3000, die von Jerusalem 2000, jene von Jaffa und Nazareth je 1000 Seelen; die übrigen Pfarreien sind kleiner . . . Die Kirchen von Jerusalem, Jaffa und Ramie sind wahre Prachtbauten. Die Franziskaner pastorieren ihre Gemeinden in jeder Hinsicht musterhaft." Die Kustodie trägt in ihrer Zusammensetzung einen internatinoalen Charakter, und darum kann sie Gottes Wort in 12 Sprachen verkünden lassen. Der gegenwärtige hochwürdigste Pater Kustos des Heiligen Landes Pater Robert Razzoli ist nach dem Beispiele seiner Vorgänger eifrigst bedacht, das Schul- und Unterrichtswesen möglichst zu vervollkommnen. Er hat bereits mehrere neue Schulen wieder errichtet und die alten mit tüchtigen Lehrkräften und guten Lehrmitteln versehen. Ueber 5000 Kinder erhalten unentgeltlichen Unterricht in ca. 60 Schulen. 192