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Palästina · 1908-01-01 · Heft 10 · p. Seite 186

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Journal
Palästina
Volume
5 (1908)
Issue
Heft 10
Article
Die Kultur des Urweizens von Palästina
Date
1908-01-01
Page
Seite 186 (sequence 3)
Language
German
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ziehen lAehren von wesentlich differenziertem Aussehen. Die grösseren Aehren ergaben gewöhnlich 25 Körner. Letztere sind, wie zu erwarten, von ungleichen Grössenverhältnissen. Die grösseren unter ihnen messen 11x3x3 Millimeter, stehen also gewöhnlichen Weizenkörnern nicht nach. Bis zu acht Halme entsprossen an manchen Exemplaren einer Wurzel. Diese Vielhalmigkeit gehört zu den Eigentümlichkeiten des ^Wildzustandes, die auszumerzen wegen der damit verburiidenen Ungleichheit der Fruchtreife eine Aufgabe der veredelnden Zuchtwahl darstellen wird, obgleich man in neuerer Zeit in Russland bestrebt gewesen ist, gewisse durch Häufeln erzielte vielhalmige und büschelartig wachsende Weizensorten zu empfehlen. Es hegt auf der Hand, dass der Vorteil des vermehrten Körnerertrags durch die Ungleichheit der Körnergrösse und der Körnerreife, die beide eine unausbleibliche Folge dieser Kulturmethode sein müssen, leicht zum Nachteil ausschlagen kann. Hierbei sei einer merkwürdigen Angabe Erwähnung getan, die sich in Plinius Naturgeschichte (XVIII, 21) findet und einen Rekord in bezug auf Vielhalmigkeit des Weizens zum Gegenstände hat. Plinius berichtet, dass der kaiserliche Domänenverwalter von Byzacium in Afrika (Süd-Tunesien) dem Augustus eine Weizenpflanze zugesandt hätte, die nur wenig unter 400 aus einem Samen hervorgebrachte Sprossen zeigte, und dass auch Nero von daher ein ähnliches Exemplar mit 360 "Halmen erhalten habe. In der genannten Domäne brachte nach Plinius der Weizen 150 fältige Frucht. Eine Eigentümlichkeit des wilden Urweizens von Palästina besteht in der selbst innerhalb ein und desselben Standorts1 den Tag gelegten Neigung zur Formenmannigfaltigkeit. Die Behaarung, die Länge, Stärke, und Farbe der Grannen, die Gestalt der Spelzen ändern an der Pflanze auf Schritt und Tritt. Diese Variabilität in Verbindung mit der schon bei der ersten Aussaat in Poppelsdorf an den Tag gelegten Leichtigkeit der Anpassung an veränderte Lebensbedingungen stempeln das Triticum dicoccoides zu einer für Zuchtversuche in hervorragender Weise geeigneten Pflanze. Durch Zuchtwahl und Kreuzung werden aus ihr gewiss leicht neue Weizenrassen heranzuziehen sein, die dem Kulturbereich dieser Getreideart neue unjd ihr bisher unzugängliche Gebiete zu erobern versprechen. Namentlich werden sich die veredelten Abkömmlinge des wilden Eminers wegen ihrer Anspruchslosigkeit zum Anbau in regenarmen und steinigen Gebieten empfehlen. Der Umstand, dass die wilde Pflanze am Hermon (unter 331/2 Grad nördl. Breite) bis 2000 Meter Meereshöhe hinaufsteigt, scheint die Möglichkeit der Heranziehung von winterharten Rassen in Aussicht zu stellen, und so dürften auch einer nördlichen Ausbreitung ihrer Abkömmlinge keine allzu engen Grenzen gezogen sein. 186

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