Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 5 (1908)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Die Kultur des Urweizens von Palästina
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 185 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Botanik inne hatte, die diesjährigen Aussaaten vorbereitet worden, die, wie immer, mit musterhafter Sorgfalt und diesmal durch den Sohn und Nachfolger im Amte des Verstorbenen zur Ausführung gelangten. Unter den Getreidearten waren zum ersten Mal sechzehn verschiedene Formen einer wild wachsenden Weizenart in Kultur genommen, die ein botanisch unterrichteter Landwirt in Palästina, Herr A. Aaronsohn, in verschiedenen Teilen des Landes entdeckt hatte, und von dessen Funden dem Geheimrat Körnicke zahlreiche Proben zugestellt worden waren. Körnicke hatte dieser Pflanze, die innerhalb der palästinensischen Religion, auf den am See von Tiberias gelegenen Bergen, in Gilead und am Hermon überall die trockensten und steinigsten Gehänge, zumeist Obstabfälle, bevorzugt, Triticum dicoccum var. dicoccoides genannt und in ihr das Prototyp des Kulturweizens erkannt. Seine Annahme hat er aus einer leicht nachweisbaren Formenreihe bekannter Spielarten in überzeugender Weise klarzulegen gewusst. Nirgends in der Welt hatte man sonst eine wildwachsende Grasart angetroffen, die sich mit ihren Merkmalen in gleich hohem Grade einer jener noch heute kultivierten Weizenvarietäten näherte, die wir wegen der Brüchigkeit ihrer Aehrenspindel als die primitiveren zu bezeichnen -pflegen, nämlich dem Emmer (Tr. dicoccum). Beiläufig sei bemerkt, dass auch der hinsichtlich seines Ursprungs noch nicht aufgeklärte Spelz (Triticum Spelta) in diese Kategorie gehört. Von dem Einkorn (Tr. monococcum), einer mit dem Emmer und dem Spelz nur in entferntem Verwandtschaftsgrade stehenden primitiveren Weizenart, die noch in einigen Gegenden Europas angebaut wird, finden sich wildwachsende Formen auf der Balkanhalbinsel und in Vorderasien. In diesen Wildformen des Einkorns aber hat man nie die Urform des Kulturweizens nachzuweisen vermocht, es ist eine ganz andere Pflanze. Unter der umsichtigen und verständnisvollen Leitung des Prof. Max K ö r n i c k e, des jetzigen Inhabers des botanischen Lehrstuhls an der Poppelsdorfer Hochschule, geschah die Aussaat des aus Palästina erhaltenen Samens des wilden Emmers zur Hälfte in Töpfen, die während der Wintermonate im geschützten Räume aufgehoben blieben und aus denen die angestockten Pflänzchen im Frühjahr ins Erdreich ausgepflanzt wurden, zur anderen Hälfte im Freilande des Versuchsgartens, am 20. März. Die vollendete Samenreife dieser zweiten Hälfte vollzog sich Anfang August. Im ganzen waren von den Aaronsohnschen Sämereien die Aussaaten in 36 Gruppen vollzogen', und nur vereinzelte von diesen sind zu unbefriedigender Entwicklung gelangt. An den meisten waren volle und reiche Aehren zu sehen, die durchaus den Eindruck von kultiviertem Getreide1 hervorriefen. Mit den in Palästina eingesammelten Originalexemplaren verglichen waren die in Poppelsdorf er- 185