Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 5 (1908)
- Issue
- Heft 8-9
- Article
- Die Aufgaben des Bezalel
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 172 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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leistet werden von einem selbständigen Manne, dem erfahrene Kaufleute zur Seite stehen und der ein Kapital zur Verfügung hat, das dieser umfangreichen Arbeit entspricht. — L. Joffe, Jerusalem: Wettbewerb. (Aus dem Tagebuche eines Bezalelschülers.) Viel von Hoffnung durchstrahlte Momente habe ich bereits im „Bezalel" durchlebt, dabei hat es auch nicht an traurigen Minuten gefehlt, aber besonders eine traurige Periode meines Bezalellebens kommt mir nie aus dem Sinn. Diese war, als man einen Wettbewerb zur Erlangung eines Stipendiums unter vier Schülern, deren einer ich selbst gewesen bin, bestimmt hat. Wir waren alle talentiert anerkannt und alle bemühten wir uns zugleich um ein Stipendium. Wer aber von uns fähiger sei, wessen Zukunft hoffnungsreicher sei — wer kann es wissen, wer kann es im Voraus sagen? . . . Mari hat daher einen Wettbewerb bestimmt . . . Wir waren alle gute Kameraden, teilten dieselben Sorgen und Leiden, wie auch dieselben Freuden und Hoffnungen . . . Und wie gern träumten und hofften wir an den Jerusalemer hellen Mondnächten auf dem Dache des „Bezalel" unter dem dunkelblauen Himmel! . . . . Und wir träumten damals von einer jüdischen reichen Kunst, von neuen jüdischen Genien, welche durch ihre Erhabenheit unsere Feinde erniedrigen und für die seitens der übrigen Völker unserer armen Nation erwiesene Ungerechtigkeit kämpfen. Und wer weiss? . . . Vielleicht? — Vielleicht wird einer von uns, vielleicht werden alle, von der palästinensischen wunderschönen Natur, den herrlichen Erinnerungen unserer Vergangenheit, über welche die verschiedenfarbigen Berge, der blaue Himmel, ja jedweder Stein auf dem heiligen Boden sprechen, von diesem allem begeistert, etwas Grosses, Erhabenes und Berühmtes schaffen, was dem ganzen Volke Ehre bringen wird? . . Ja, vielleicht-- Solche Träume waren uns sehr angenehm und wir haben in dieser Weise oft, ja sehr oft, fast jeden Abend, geträumt. Solche Phantasien haben uns immer dem wirklichen alltäglichen Leben entrückt, denn wir vergassen dadurch unsere unbarmherzige Not. Wir sahen uns manchmal von Phantasien ergriffen, so weit fortgeschritten, so weit geistig entwickelt, dass wir aus dem heiligen Lande, der Wiege des Prophetentums, dem Volke im Golus etwas Neues gebracht . . . Wir träumten und die lieblichen goldenen Sternlein am; Himmel winkten uns lebhaft zu, als ob sie unseren Phantasien zustimmten .... 172