Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 5 (1908)
- Issue
- Heft 8-9
- Article
- Die Aufgaben des Bezalel
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 171 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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neuen Teppichkunst darstellen sollen. Aber auch der Laie wird sich sagen müssen, dass derartige Muster nur für einen kleinen Kreis von Liebhabern Interesse haben und dass der Weltmarkt sich nicht von Anfängern vorschreiben Iässt, welche Muster gehandelt werden. Fast jedes Land der Welt importiert heute aus dem Orient Teppiche und jedes Land kauft nur bestimmte Qualitäten und Muster. Sind auch die Unterschiede häufig kaum merklich, so sind sie doch vorhanden und um den Wünschen der Käufer nachzukommen, bildeten sich überall im Orient Gesellschaften, welche die Hausindustrie einzelner Distrikte organisierten, um Einfluss auf die Gestaltung der Grössen und Muster zu gewinnen. Wo die Organisation weit vorgeschritten ist, versucht man bereits heute, die alten, wunderbaren Gebilde der Teppichkunst nachzuahmen, da gerade sie am meisten auf dem Weltmarkt begehrt sind. Wenn wir nun weiter den Markt verfolgen, so sehen wir, dass meistens die Nachfrage das Angebot übersteigt Es sollte also unbedingt anzunehmen sein, dass die Teppichindustrie in Palästina am geeignetsten ist, dauernd Arbeit zu schaffen. Um dieses Ziel zu erreichen, scheint mir ein Weg gangbar, nämlich die Bildung einer Gesellschaft mit einem grösseren Kapital, die ihren Sitz in Jaffa oder Jerusalem hat. Dieselbe müsste von einem Kaufmann geleitet werden, der die Industrie und ihre Bedürfnisse genau kennt und organisatorisch befähigt ist. Seine Stellung muss derartig bezahlt sein, dass er in der Lage ist, seine Aufgabe als Lebensarbeit aufzufassen, die es ihm auch ermöglicht, für seinen Lebensabend zu sorgen. Es gibt Industrieen, die an billige Arbeitskräfte gebunden sind und wenn die Lohne einen gewissen Höhepunkt erreicht haben, sich eine andere Gegend für ihre Fabrikation suchen müssen. Ist die Gegend gefunden, so verpflanzt der Unternehmer mehrere technisch gut geschulte Familien nach dieser Gegend und hat somit einen Stamm tüchtiger Arbeiter, die ihm die ungeschulten Kräfte anlernen und später als Werkführer tätig sein können. Genau dasselbe ist heute in Palästina für die Teppichindustrie erforderlich. Mit nur ungenügend vorgebildeten oder technisch nicht genügend geschulten Arbeitern kann man kein marktfähiges Produkt herstellen. Ist aber auf diese Weise ein kleiner Stamm geübter Arbeiter vorhanden, so steht der Ausdehnung nichts im Wege. Es kann nie soviel Ware erzeugt werden, wie gebraucht wird, zumal wenn man sich von Anfang ^an auf bessere Qualitäten einrichtet. Auch Stickereien erfreuen sich grosser Beliebtheit, die ohne grosse Anschaffungsspesen leicht herzustellen sind. Es ist an der Zeit, mit theoretischen Erörterungen aufzuhören und praktische Arbeit zu leisten. Diese kann nur ge- 171