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Palästina · 1908-01-01 · Heft 8-9 · p. Seite 163

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
5 (1908)
Issue
Heft 8-9
Article
Im Bezalel
Date
1908-01-01
Page
Seite 163 (sequence 4)
Language
German
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„Tränenkrüglein". Aus jüngerer Zeit stammen seltene Ritualien^ Bannsprüche u. s. w., die von verschiedenen jüdischen Elementen, namentlich von jemenitischen Juden gesammelt wurden. Hammer und Meissel rufen uns wieder an die Stätte der Arbeit, der plastischen Arbeit in Gips, Holz und Stein. Manche der früheren Entwürfe begegnen uns hier wieder. Dann Umarbeitungen von Werken Schatz7 oder neue Bildhauerarbeiten, worunter die Selbstbüste eines Schülers auffällt. Die Holzabteilung ist mit einer gewöhnlichen Tischlerei und mit einer Abteilung zur Anfertigung von Bilderrahmen verbunden. Auch für Möbel hat der „Bezalel" einfache stilvolle Formen geschaffen, die auch sonst in Palästina sich eingebürgert haben. Charakteristisch ist, dass alle Zweige des Kunstgewerbes, denen sich jetzt auch eine Abteilung für Silberfiligran angeschlossen hat, wesensgleiche Motive zur Darstellung bringen. Ehe wir das Haus verlassen, bemerken wir noch die Werke Professor Schatz', darunter die wuchtige Mathisjahubüste, den kolossalen „Messias" Glicensteins, an den Wänden Liliensehe Originale und Reproduktionen der Meisterwerke Hirschenbergs, der gleichfalls in Jerusalem bedeutende Motive eigener Arbeit gefunden hat. Und wir tragen noch einen grossen Eindruck mit hinaus. Nicht des Geschaffenen, sondern des Schaffens im „Bezaiel". Eine kleine Schule ist er, die Kräfte wie Schatz und Hirschenberg leiten, mitten in einem noch „unbebauten" Lande. Zwischen Unterricht und Arbeit, zwischen Lehrerschaft und Schülerschaft besteht eine unmittelbare Brücke. Einige der Schüler sind schon selbständige Künstler und auch wirklich Lehrer, zum Beispiel in der Teppichabteilung. Eben hat eine Zahl ausgebildeter Schüler, deren Plätze bereits durch neue ausgefüllt sind, die Schule verlassen, und sie gedenken alle einmal als freie Künstler in eine Art Akademie des Bezalei zurückzukehren. Der Unterricht besteht darin, dass die Schüler lernen, ihre Kräfte zu entwickeln und bei entsprechender Anleitung frei zu entfalten. Es bestehen für Zeichnen zwei Abteilungen, e?ne für Anfänger und eine für Vorgeschrittene, ferner Abteilungen für die schon erwähnten Zweige des Kunstgewerbes. Ausserdem werden hebräisch und besondere Abendkurse für Externe abgehalten. Junge Talente wurden hier entdeckt, gelenkt und gesteigert. Manche kamen heraus aus dem Schmutze der Chalukah. Anderen — Schülern und Arbeitern — wurde hier ein Sinn ihres Lebens erschlossen: Arbeit und Arbeitsfreude. Und das sind Einflüsse, über die Wände des Hauses hinausreichend und noch wertvoller als die Arbeit in Wolle und Stein. 163

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