Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 5 (1908)
- Issue
- Heft 8-9
- Article
- Im Bezalel
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 161 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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tasten nennen, sie vergessen aber was Künstlerphantasie schaffen kann; sie vergessen den unermüdlichen und energischen Realisten. Und greifbar und sichtbar ist auch das bisher Geschaffene, das in einem Zeiträume von wenigen Jahren Geschaffene. Die für den Anfang wichtigste Abteilung des hier gepflegten Kunstgewerbes bildet die Teppichfabrikation. Der orientalische Teppich stellt seit jeher einen Artikel dar, in dem Gelbrauch und Luxus, Notwendigkeit und Schmuck sich vereinigen. Wesentlich ist, dass diese Vereinigung auch stilvoll sei und ein freikünstlerisches Element ins tägliche Leben bringe — ein Prinzip, das heutzutage in aller Art von Kunstgewerbe durchgeführt wird. Für dieses künstlerische Element ist im „Bezalel" eine Art neuen Stiles geschaffen worden: das freie Ornament, das in phantastischer, an die realen Dinge nur erinnernder Weise, die Linien- und Farbenmannigfaltigkeit des Teppichs bedingt, wird aus jüdischen, respektive palästinensischen Elementen gebildet, in Linie, Bildmuster und Farbe. Aenlich wie in der arabischen Kunst die arabischen Schriftzeichen, so werden hier die hebräischen Buchstaben in den Elementen ihrer Linien frei behandelt, in mannigfachen Stellungen, Umformungen und Verschlingungen. Zunächst wurde dies in ganz selbständiger Weise durchgeführt; zu Namenswidmungen, bei jeglicher Art von Aufschriften, wo überhaupt schöne charakteristische Buchstaben zur Geltung kommen sollen. Das Ganze bildet dann irgend einen symbolischen Gegenstand oder bloss die symbolische Nuance eines Gegenstandes, einer Menorah, einer Blüte. Ebenso auf dem Teppich selbst. Zu gleicher Stilisierung dienen aber auch Blüten und Schmetterliage. Für die grösseren Teppichmuster dienen gemäldeartige Entwürfe, von denen die heilige Lampe, die Tempelmauer in mannigfachen Farbenharmonien besonders geschmackvoll ausgeführt sjind. Was die Farbe selbst betrifft, so soll sie — soweit dies überhaupt möglich — das spezifisch palästinensische Kolorit wiedergeben. In einigen der letzten Teppiche ist wirklich die Kraftwirkung der Naturfarben — besonders in einem wirklichen Blumen- /eppich — überraschend gelungen. An anderen Mustern, besonders denen der,, Menorah" und einiger biblischer [Motive herrscht eine besonders fein abgetönte Farbengebung. In technischer Beziehung umfasst die Teppicherzeugung Spinnerei und Teppichknüpfabteilung, von Arbeiterinnen betrieben. Die Wollfärbung wird erst seit kurzer Zeit gleichfalls im „Bezalel" durchgeführt. Neben dem Kunstgewerbe, und dessen Diensten und auch unabhängig von demselben, wird dann die freie Kunst entwickelt. 161