Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 5 (1908)
- Issue
- Heft 8-9
- Article
- Die naturhistorische Abteilung am Bezalel
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 159 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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-tötet so ihr flüchtiges Opfer." Die alte Frau fuhr erschreckt zusammen und rief angstvoll: „Um Gottes Willen, wie kann man denn in so einem Lande wohnen?!" — Und nun besitzen wir gerade eine lebende Zamenis carbonaria. Und von diesem Standpunkte aus betrachtet freute mich ganz besonders das Auffinden — wenn auch einer noch ziemlich jungen — Hyaena striata, die bekanntlich zu so vielen Phantasien und Legenden Anlass gegeben hat, die die Orientalen noch weiter in ihrem Sinne ausbildeten: „Wie die Hyäne gauklerisch-verführend tanzt und so ihr Opfer zum Lachen und allmählichen lethargischen Unbewusstsein bringt, bis es ihr automatisch in eine Höhle folgt und von ihr verzehrt wird." Und nun sieht die jüdische jerusalemitische Bevölkerung dieses so berüchtigte Ungetüm jeden Sonnabend mit ihren eigenen Augen, sieht, dass es absolut nicht verführerisch lachen kann. Ebenso entzückte mich ganz enorm der junge über 75 cm messende Monitor niloticus, dessen Sichaufblähen und Zischen einem jeden Chalukkah-empfangenden Juden in Jerusalem sofort die Idee von Gift und Lebensgefahr einflösste. Aber gerade Professor Schatz wurde von ihm beim Fleischreichen mit einem heftigen Bisse beehrt und doch dirigiert er den „Bezalel" nach wie vor. Das Buteonen-Pärchen auf dem künstlerisch modellierten Felsen und der Circaetus gallicus machen einen höchst amüsanten Eindruck und lenken durch ihr Geschrei schon von weitem die Aufmerksamkeit der Passanten auf sich. Und wenn man die wunderschöne Vulpes nilotica mit ihren schlauen nie ruhenden Aeuglein und immer beweglichen Ohren ansieht, so denkt man unwillkürlich an die von jüdischer (im Talmud, Midraschim usw.) als auch von christlicher Seite ausgebildeten „Fuchsfabeln". Aber den Gipfelpunkt aller „Lebewesen" am Bezalel bildet die von Prof. Schatz erst vor ca. einer Woche aus Jaffa lebend gebrachten Thallassocelys caouana, die riesige Mittelmeer-Schildkröte, um deren Besitz uns wohl so manche Menagerie beneiden würde, denn Geschlechter vergehn, ohne das man dieses herrliche über 2 m messende Tier überhaupt zu Gesicht bekommt. Sie sehen also, verehrte Leser, dass die naturhistorische Abteilung am „Bezalel" nicht inne hielt und sich sogar mach einer ganz neuen Richtung hin erweiterte. Natürlich lehrte mich die Expedition, über deren Funde meinerseits ich noch ein anderes Mal zu berichten hoffe, wie viel uns noch fehlt und wie viel Jahre wir noch arbeiten müssen, um ein wirkliches kompletes Palästina-Museum zu besitzen, aber alles Grosse war doch einmal klein; die Hauptsache ist nur, dass dieses Kleine nicht so bleibt, sondern natürlich weitergedeiht. Aber schon 159