Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 5 (1908)
- Issue
- Heft 8-9
- Article
- Das jüdische Museum
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 157 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2379786-2379804-2379812-2414002--01922-2414050- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
fühlen, wie unharmonisch, ja abstossend die lächerlichen Kleider gegenüber der hiesigen Natur sind. Ihr beneidet dann den halbwilden Araber, dessen wilder Anzug sich viel mehr der grauen Erde und dem blauen Himmel anpasst. Dieser Disharmonie begegnen wir hier, besonders bei uns Juden, auf jedem Schritt und Tritt. Der Schneider näht jene Kleider, die er in seinem Lande angefertigt hat der Tischler macht dieselben Möbel, der Baumeister baut dieselben Häuser und der Kaufmann verkauft dieselbe Ware. Niemand fühlt sich mit diesem Lande verbunden, als ob sie die Schönheit der Natur nicht bemerkten und es ist auch niemand da, der sie darauf aufmerksam machen könnte. Ein Museum, welches Kunst, Antiquitäten und Naturalien sammelt, wird sie der Natur näher bringen, ihr Schönheitsgefühl entwickeln und sie lehren, die schöne Gotteswelt zu sehen una zu lieben. Derjenige, der die Besucher unseres kleinen, leider zu kleinen Museums betrachtet hat, wird an meinen Worten nicht zweifeln. Man muss sehen, mit welchem Entzücken and weicher Freude ein jedes Kind jeden Vogel, jedes Tier im Museum betrachtet.« Findet es z. B. hier irgendeinen Vogel, dessen Namen es aus der Bibel kennt, dann ist es unbeschreiblich glücklich. Jene phantastische Welt, die es in der Bibel gesehen, findet es im1 Museum vor seinen Augen und wird sie dann gewiss auch in der Natur bemerken. Es ist interessant zu sehen, wie Mütter mit Kindern auf ihren (Armen jnsMuseum kommen [und selbst wie Kinder bei Betrachtung einer alten Münze oder Lampe entzückt werden. Ich habe gesehen, wie eine alte Frau glücklich war, als sie bei uns nur die Photographie der Mumie des Ramses II. bemerkte und dabei wendete sie sich an ihre Freundin mit den Worten: Siehst du, dieser war der König, der uns so viele Leiden antat und was für Aussehen hat er jetzt, während wir doch leben! Und die lebendigen Tiere in unserem Garten — diese sind die Freunde der Besjucher geworden. Ein jeder betrachtet sie mit Liebe und erzählt Wunder, wie sie in den Besitz des „Bezaiel"-Museums gekommen sind. Es ist erst das zweite Jahr, seit unser Museum existiert. Spezieile Mittel haben wir für dasselbe nicht gehabt und besitzen leider auch jetzt sehr wenig, sehr wenig für so eine Zentrale wie Jerusalem und für uns Juden, die wir so viele Künstler und Sammler haben. Unter den 58 Herren, die dem Museum Geschenke gegeben haben, befinden sich nur 10 vom Auslande. Ich glaube aber, dass unsere Brüder in der Diaspora nur darum das Museum nicht unterstützt haben, weil sie es nicht kannten. Ich selbst wollte bis jetzt vom Auslande fürs Museum nichts verlangen, weil ich das Zutrauen gewinnen wollte, indem man sehen sollte, dass wir hier auch ohne Mittel den schweren Anfang gemacht haben. 157