Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 5 (1908)
- Issue
- Heft 8-9
- Article
- Lag-Baomer im Bezalel
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 156 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Volkes ist. Ich habe bei der Ausstellung einen alten sephardischen Rabbiner seine Hände aufheben gesehen und mit Begeisterung ausrufen gehört: Aschrei Ajin raata ele — Wohl dem Auge, welches all dies gesehen hat! . . . Das jüdische Museum. Ein Schreiben von Prof. Boris Schatz. Jeder, der nach Jerusalem kommt, bemerkt folgenden Kontrast: Das alte Jerusalem mit seinem Turme Davids, den Titus als Andenken seines Heldentums stehen lassen hat, die Gassen, die beinahe nicht nur ihre alten Namen, sondern auch ihre alte Form behalten haben, echte palästinensische Typen mit ihren uralten Kleidern, so dass man glaubt, in jedem alten Juden Jeremias oder einen anderen Propheten zu sehen. Dagegen aber, wenn man das Stadttor verlässt, sieht man plötzlich Menschen in europäischen verschiedenen Kleidern und Häuser in europäischer Form, so dass sie nicht im geringsten mit dem blauen Himmel harmonieren. Das europäische Haus passt so wenig zur hiesigen Landschaft und das europäische Kleid zum hiesigen Klima, dass man glauben muss, alldies sei nur für eine kurze Zeit gemacht und die Menschen seien Reisende, welche sich hier weder in ihren Häusern noch in ihren Kleidern bequem fühlen. Und wenn die europäischen Kleider und Häuser auf uns eine unangebrachte Wirkung machen, um wieviel abstossender und disharmonierend sind die jüdischen Kleider und Häuserl Während die Europäer hier ihre Kirchen und Kolonieen in ihrem Stil errichtet haben, welche in unseren Augen als der Harmonie der hiesigen Natur widersprechend erscheinen, haben sie es wenigstens darum getan, um sich an ihr teueres Vaterland zu erinnern; wir fühlen uns dagegen sehr beleidigt, wenn wir sehen, wie unsere Juden ihre ^wilden Städtchen aus dem Goius hierhergebracht und sie mit ihrem; ganzen Schmutze unter den blauen Jerusalemer Himmel hingestellt haben. Und noch beleidigter fühlen wir uns, wenn wir vor unsern Augen das Kotel-Hamaarawi (Klag*emauer) und dabei Menschen in vielfarbigen Narrenkleidern und Pelzhüten unter der palästinensischen Sonne stehen sehen. Dieses Kotel-Hamaarawi, das alte tragische Monument unserer glänzenden Vergangenheit, von dem jedweder Stein uns von unserer herrlichen Geschichte, unserm schweren Kampf um diese Mauer, den unendlichen Tränen, die viele Geschlechter vergossen haben, erzählen und wo man immer um die Erlösung und Auflebung gebetet hat. Dies harmoniert gewiss nicht mit den Kleidern der jetzigen Betenden. Wir sehen daraus, dass die Juden nicht nur ihr Land, sondern auch das Gefühl als lebendige Menschen verloren haben und im allgemeinen von der Natur entfernt sind, so dass sie nicht 156