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Palästina · 1908-01-01 · Heft 7 · p. Seite 131

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
5 (1908)
Issue
Heft 7
Article
Die jüdische Arbeiterfrage in Palästina
Date
1908-01-01
Page
Seite 131 (sequence 3)
Language
German
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Arbeiter aus Palästina hinaus. Sie gab den Arbeitern Geld zur Auswanderung nach Australien. Nahezu 100 Arbeiterfamilien verliessen damals (1906) Palästina auf Kosten der „Ika";?00,000 Francs sollen für diesen Zweck verausgabt worden sein. Wie viel hätte man mit dieser Summe im Lande selbst für dieselben Arbeiter leisten können! Dies wollte die „Ika" nicht und so ist damals die jüdische Arbeiterklasse aus P. fast ganz verschwunden. Auf allen jüdischen Kolonien beschäftigte man arabische Arbeiter; in Pethach Tikwah allein 1500, so dass jeder Kolonist drei arabische Familien ernährte. Nachdem man sich jetzt in vielen Kolonien mit Orangen-Pflanzungen beschäftigt, ist die Frage der Schaffung! und Erhaltung eines jüdischen Arbeitrestandes in P. noch viel dringender geworden. Die Orangen-Pflanzungen sind sehr teuer; ein Dunam kostet 700 bis 800 Francs, wovon 80 Proz. auf die Arbeit entfallen. Deshalb erscheint es sehr wichtig, dass diese grossen Summen statt in arabische in jüdische Hände übergehen. Damit nun jüdische Arbeitskräfte in Palästina sich halten können, müssen daselbst solche Bedingungen geschaffen werden, dass die Arbeitslöhne den jüdischen Arbeiter ernähren und vorwärts bringen. Der Arbeitslohn für den jüdischen Arbeiter stellt sich wie folgt: Im Winter: für Anfänger 1 Mark bis 1 Mark 15 Pfg. per Tag, für bessere Arbeiter 2 Mark bis 4 Mark per Tag; im Sommer: für Anfänger 1 Mark bis 1 Mark 15 Pfg. per Tag, für bessere Arbeiter 2 Mark bis 2 Mark 50 Pfg. per Tag. Die Entlohnung wäre nicht schlecht, wenn der Arbeiter nicht alles erst aus dritter Hand kaufen und daher teurer bezahlen müsste und zweitens, wenn in den Kolonien nicht billige Wohnungen fehlen würden. Um nun ihre Lage zu verbessern, haben die Arbeiter Konsum-Genossenschaften gegründet, wodurch es ihnen ermöglicht ist, ihren Bedarf aus erster Hand, also viel billiger zu decken. Das allein genügt aber nicht; man muss ihnen auch, was sie nicht allein fertig bringen, billigere Wohnstätten zu beschaffen helfen. Zu diesem Zwecke hat sich jetzt eine Gesellschaft gebildet, weiche unter dem Namen „A rb e ite r-H e i m s t ä t e n - G enossenschaft" ihren Sitz in Jaffa hat und über welche Herr Professor O. Warburg in Berlin W., Uhlandstr. 175 gerne jede weitere Auskunft erteilt. Pflicht eines jeden Juden und ganz besonders eines jeden Freundes von Palästina ist es, diese Gesellschaft zu unterstützen. Nicht mit Spenden — denn solche werden unsere ehrlichen und stolzen Arbeiter nicht annehmen — wohl aber mit Teilnahme an der Genossenschaft kann hier einer guten Sache zum Erfoig verholfen werden. 131

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