Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 5 (1908)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Die Hedschazbahn
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 129 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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je eine Pionier- und Telegraphen-Kompagnie f ormiert sind. Keine andere Armee Europas besitzt heute ein so geschultes, seit Jahren erprobtes und ausdauerndes Eiseribahnbau-Korps. Die nötigen Bausteine werden überall an Ort und Stelle gewonnen, das Holz von der muselmanischen Bevölkerung aus freien Stücken, ohne jede Vergütung und ohne grosse Kosten herbeigeführt. Unter solchen Umständen ist also begreiflich, dass der Bahnbau unglaublich rasch vor sich ging und geringere Mittel erforderte, als sonst irgend einer der Welt. Der ganze Schienenstrang wurde aus Deutschland bezogen. Kein Wunder also, dass besonders England neidisch ist und — hierfür ist ja die Revaler Entrevue ein drastischer Beweis — versucht, der Türkei in Mazedonien Schwierigkeiten zu bereiten. Man hofft wohl an der Themse, dadurch den deutschen Einfluss zu begrenzen. England und Frankreich blicken auch überdies dem raschen Entwicklungsgänge der Türkei mit scheelen Augen zu, sehen sie doch in der „deutschen, Anatölischen Eisenbahn" eine politische Gefahr, und vollends die ,.iHedschazbahn". England hält sie nicht mit Unrecht für eine böse Konkurrenz des Suez-Kanals. Sowie einmal die geplante Zweigverbindung nach Dschedda fertiggestellt ist, werden vor allem Reisende und Frachten den kürzeren Landweg wählen, wie ja andererseits die „Anatölische Bahn" dem Suez-Kanal die ganze „indische Post" wegnehmen dürfte. Syrien, Palästina und Arabien werden der Kultur eröffnet, Mesopotamien wird nach tausendjährigem Schlafe die Schleusen seines ^Reichtums auftun und ihn nach dem Abendlande ergiessen; neues Leben vofri Bosporus bis Bagdad und nach dem Jemen, von der Suiinamündung bis an das Delta des Euphratund Tigris. Welche Perspektive für die Industrie und agrikole Welt, wenn die von von der Natur so unendlich begabten Länder aus „Tausend und einer Nacht", mit ihren jährlichen Doppelernten, den von christlichen Dichtern besungenen Reichtum Arabiens durch die Füllhörner der Eisenbahn und Schiffahrt über das alte Europa ausschütten werden. M. F. Seidmann:*) Die jüdische Arbeiterfrage in Palästina. Die jüdische Arbeiterfrage ist eine reine Palästinafrage, ist eine nationale Frage. Sie ist nicht die Frage wegen Arbeit für Arbeiter — Arbeit gibt es genügend; ist auch nicht die Frage wegen Arbeiter für *) Wir entnehmen diese Arbeit, übersetzt von H. Jakob Frankel, der Palästina-Zeitschrift „Serubabel", Lemberg, Lyktuska 33, deren Abonnement wir imsern Lesern empfehlen (2 Kronen pro Jahr, erscheint in Yargon). 129