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Palästina · 1908-01-01 · Heft 7 · p. Seite 128

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
5 (1908)
Issue
Heft 7
Article
Die Hedschazbahn
Date
1908-01-01
Page
Seite 128 (sequence 2)
Language
German
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vor acht Jahren, verlieh der Sultan, nach eingehenden Bieratungen mit einem Kreise patriotisch gesinnter Staatsmänner, das Irade zum Baue der Hedschazbahn. Die Europäer am Bosporus, die Diplomaten nicht ausgenommen, lächelten über diesen „Kaiserlichen Willen" (Irade), der den Bau einer Eisenbahn von nicht weniger als 2000 Kilometern Länge dekretierte, ohne aüch nur anzudeuten, woher man das Geld hierzu nehmen solle. Tatsächlich zweifelten aber selbst gute Kenner der Türkei, darunter getreue Untertanen des Padischah, als auch hohe und höchste staatliche Würdenträger an dem Zustandekommen des grossartigen Projektes. Ohne Appell an die europäiscehn Börsen, ohne Öttomanbank, ohne Anleihe eine so grosse Bahn bauen — unmöglich! Schon ein Jahr nach dem kaiserlichen Irade, am 1. September 1901, wurde die Strecke Muzeril—Der'a, ein Jahr später Der'a—Zerka und schon alm 1. September 1904 die Teillinie Damaskus—Ma'an, 460 km, dem [Betriebe übergeben. Eine kaiserliche Spezialkommission, an deren Spitze sich der Minister der Eokal (frommen Stiftungen) Turkhan Pascha befand, nahm in Gegenwart der von allen Seiten herbeigeeilten mohammedanischen Bevölkerung die feierliche Einweihung vor. Schon zwei Jahre später waren 950km, bis Medain Salih, fertiggestellt! In keinem Lande und zu keiner Zeit ist ein ähnliches grossartiges Werk geschaffen worden! Aus frommen Gaben der mohammedanischen Welt, aus Abzügen an den Beamtengehältern und ähnlichen, dem „heiligen Bahnbaue" zugesicherten Einnahmen ist letzterer entstanden und durchgeführt worden. Am 1. September d. J., dem 33. Thronbesteigungstage des Sultans, wird die ganze Linie Damaskus—Medina, 1700 Kilometer, feierlich eröffnet werden, während die letzten dreihundert Kilometer Medina-Mekka erst in zwei Jahren beendigt sein dürften, weii der Scheriff von Mekka, in dessen Mauern noch niemals ein Ungläubiger geweilt hatte, wünscht, dass der Bau auf dem Boden des heiligen Hedschaz ausschliesslich von Mohammedanern ausgeführt werde. Uebrigens wurde dieser ganze grossartige Schienenweg, mit seinen Tunneln, seinen 1200 Ueberführungen, Viadukten und 65 Brücken, zu allergrösstem Teile von türkischen Ingenieuren, 'Handwerkern und Arbeitern durchgeführt; nur der erste Bauingenieur, Meissner-Pascha und einige seiner Gehilfen, fast durchweg Deutsche, sind Christen. Die Kosten des gesamten Baues wurden auf bloss zweihundert Millionen Francs veranschlagt, eine verhältnismässig geringe Summe, die sich daraus erklärt, dass der Bau von eigens geformten militärischen Arbeiter-Bataillonen durchgeführt wird, deren sechstausend vorzüglich geschulte Erdarbeiter nirgends ihresgleichen haben und die in drei Infanteriebataillone, als Erdarbeiter, in zwei Eisenbahnbataillone, als Handwerker, und in 128

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