Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 5 (1908)
- Issue
- Heft 5-6
- Article
- Moskito-Brigaden
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 82 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Dr. Aron Sandler, Breslau: Moskito- Brigaden. Die Bedeutung der Malaria für die Kolonisation Palästinas ist heute allen, die auch nur eine oberflächliche Kenntnis von der Natur des Landes und seiner Kolonisationsgeschichte haben, bekannt. Es ist nicht der Zweck dieser Zeilen, auf das komplizierte und durchaus nicht in allen Teilen geklärte Thema „Die Malaria in Palästina" naher einzugehen, sondern auf beachtenswerte Erfolge hinzuweisen, die die Engländer in einzelnen Palästina eng benachbarten, sumpfigen Landstrichen in den letzten Jahren erzielt haben. Mannigfaltig wie die physikalische Gliederung Palästinas sind auch die Ursachen für die Entstehung und Verbreitung der Malaria. In Jerusalem, wo die Höhenlage und Bodenbeschaffenheit gänzliches Fehlen der Malaria erwarten Hesse, finden wir einen der grössten Herde der Welt, und es ist als erwiesen zu erachten, dass die in den leer werdenden Zisternen zurückbleibenden Tümpel die Brutstätten für die Larven jener Moskitos sind, deren Stich die Krankheit vom inficierten Menschen auf den gesunden überträgt. In den meisten Kolonien handelt es sich aber um natürliche Sumpfbildung, besonders in der Strandebene von Judäa und in der grossen Längsspalte des Landes, die zwischen Libanon und Antilibanus beginnt und über das Tote Meer hinausreicht. Das vom Gebirge herabströmende Wasser vermag sich nicht — in ähnlicher Weise und aus ähnlichen;Gründen wie in der schmalen Küstenebene am Westrande Italiens — zu ansehnlichen Flussläufen zu sammeln; dazu kommt, dass das in den Kalk einsickernde Wasser zum grossen Teil in der Ebene als Grundwasser wiedererscheint, und so entstehen hier zur heissen Jahreszeit Pfützen, feuchte Bodenstrecken, Sümpfe. Das Pethach-Thikwah von ehedem, das heutige Jesod Hamaalah und besonders das schwer heimgesuchte Chederah verdanken diesen Verhältnissen zum Teil die Fruchtbarkeit ihres Bodens, aber ganz und gar das hartnäckige Fortbestehen der Malaria. Von den grosszügigen Arbeiten, deren Ausführung die Ausrottung der Malaria bedeuten würde — vor allem die Drainage der Sümpfe und Anlegung von Pumpen und Röhrenleitungen in Jerusalem — ist bis auf weiteres garnicht die Rede. Die Anpflanzung von Eucalyptus ist eigentlich das einzige grössere Hilfsmittel, das man bisher in den jüdischen Kolonieen Palästinas angewandt hat, und zwar, wie man unbedingt zugeben muss, mit meist gutem Erfolg. Die fast völlige Sanierung, von Pethach-Thikwah, wo man bereits wieder mit der Ausrodung, der Eucalypten beginnt,, sowie die Trockenlegung des einen der drei Sümpfe von Chederah, wo mehrere zehntausend Bäume gepflanzt worden sind, legen hierfür Zeugnis ab. Auch die Chininbehandlung ist im Schwange; doch hat sie 82