Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 5 (1908)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Ein jüdisches Lehrerseminar
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 69 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Er ging dann nach London ans Jewish College und war gleichzeitig an dortigen jüdischen Erziehungsinstituten erfolgreich beschäftigt. Diann ging er in seine Vaterstadt zurück und arbeitete zunächst unter Herzberg als Lehrer am jüdischen Waisenhaus. Diese Tätigkeit erwarb ihm das Vertrauen seines vorgesetzten Comites in so hohem Grade, dass es ihn zum Direktor der neuorganisierten Lämelschule erwählte.. Als sich der Lehrermangel dort zu Lande mehr und mehr geltend machte, auch von Seiten des Lehrerbundes der Wunsch nach Schaffung eines Seminars oft und öfter laut wurde, unternahm es Cohn, den Hilfsverein für diesen Gedanken und gleichzeitig für Palästina und iseine gesamten Schulinteressen zu gewinnen. Direktor einer palästinischen Anstalt zu sein, ist kein Leichtes. Die exponierte Stellung im heiligen Lande, wo jeder Fremde zu jmieistern sich berufen fühlt; die Verschiedenhit der Ansprüche und Wünsche und Erwartungen, die von verschiedenen Seiten an eine dortige Anstalt gestellt werden, denen allen zu gefallen fast unmöglich ist. Es gehört besondere Ausdauer, innere Energie und Entschlossenheit, ebenso wie Biegsamkeit und Konzilians des Wesens dazu, es erfordert Umsicht und Selbstverleugnung, vor allem einen Riesenfleiss. In steigender Entwicklung ist das Jerusalemer Seminar emporgeblüht, innerlich und äusserlich steht es kräftig da. Dem Verein ist die jüdische Welt zu Dank verpflichtet, der aus seinen Mitteln diese Anstalt unterhält und keiner sollte ihm' seine Unterstützung versagen. Der jungen Anstalt aber wünschen wir, dass sie ein Segen werde für unser Land und Volk, dass sie an ihren Prinzipien: Treue und Tradition, Liebe zu Palästina und zur hebräischen Sprache festhaltend, eine Gesundung der dortigen Verhältnisse heraufführe, eine mustergültige Erziehung der paläst. Jugend im Geiste der Väter und im Glauben an unsere Zukunft ermögliche. — Betty Leszynsky, Berlin. Vom jüdischen Frauenverband.*) In der kurzen Zeit seines Bestehens ist es dem Verbände gelungen, so viel Mittel zu schaffen, um schon jetzt mit des praktischen Arbeit in Palästina beginnen zu können. Auf Ver^ *) Der junge rührige Verband hat schon grosse Ortsgruppen in Holland Deutschland (Berlin, Hamburg, Köln — die jüngste in Breslau) sowie viele Mitglieder in Belgien, Rumänien etc. Für die nächste Zeit wird eine Haupt, aufgäbe des Verbandes sein, jüdische Frauen in allen Ländern ohne Unterschied der politischen Partei und religiösen Richtung zur Mitarbeit zu gewinnen. " (Die Redaktion.) 69