Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 5 (1908)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Bedeutung der Palästinaforschung für die Bibel
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 62 (sequence 3)
- Language
- German
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viduen. Die anderweitigen Erklärungsversuche dieser Kapitel, mit soviel Scharfsinn und auch soviel Phantasie betrieben, sind daher ganz und gar (überflüssig. Ferner haben seine Ausgrabungen uns überzeugt, dass einige der schwierigsten und dunkelsten Kapitel des Alten Testamentes zuguterletzt doch keineswegs einen wirklich verdorbenen Text bieten. Die Fehler, die im Texte vorkommen, sind aber ganz naturgemäss in einem Dokument, das aus ,alten Manuskripten' zusammengestellt wurde, die selbst vielleicht defekt, halb zerrissen und schwer zu lesen waren. Auch erklären sich diese leichteren?%längel im Text durch die Tatsache, dass er erst durch eine lange Reihe von Abschreibern gehen musste, ehe er zu uns kam. Die Fehler im Texte konnten wir korrigieren, nachdem die Ausgrabungen uns dazu in den Stand gesetzt hatten. Endlich boten sie uns die tatsächlichen Bindeglieder, die uns in den Stand setzen, eine Reihe von Bibelstellen, über weite Zeiträume zerstreut, die auch ganz unabhängig von einander zu sein schienen, in eine innerliche Beziehung zu einander zu bringen." So reden die Steine. So machen selbst Töpferscherben, deren Sammlung manchem eine Kuriosität dünken möchte und die doch auch in ganz anderem und umfassenderem Sinne den „Schlüssel zur Archäologie Palästinas" liefern, die menschliche Weisheit zu schänden. Geser (Jos. 12, 13 Geder) wird noch 1903 in Guthes „Kurzem Bibelwörterbuch" durch den Vermerk „unbekannt" abgetan. Die Ausgrabungen begannen im Juni 1902 und wurden, da der Ferman der türkischen Regierung abgelaufen war, im August 1905 abgeschlossen. Drei Jahre hat hier im Auftrage des Englischen Palästina-Vereins der bekannte Archäologe Macalister gearbeitet, über seine Funde ist auch in dem Aufsatz „Ein Ausflug von Jaffa nach Gezer" in den „Neuesten Nachrichten" (1905, Heft 4) manches Interessante anschaulich berichtet worden. Bisher hat Macalister fortlaufend in der englischen Palästina-Zeitschrift (P. E. F.) Vierteljahrsberichte über den Stand der Ausgrabungen veröffentlicht. Die umfassende Verarbeitung des gesamten Materials steht noch aus und wird die Geduld auch noch eine Weile in Anspruch nehmen, da allein rund 10 000 Fundstücke zu beschreiben, 3000 Zeichnungen nebst 500 Photographien und 200 Plänen für den Druck vorzubereiten sind. Als „Erstlingsgarben aus einer grossen noch zukünftigen Ernte" hat Macalister darum jüngst für einen weiteren Kreis der Bibelleser und Bibelfreunde eine Reihe von Ausgrabungen und Entdeckungen unter dem Titel „Streiflichter zur biblischen Geschichte aus der altpalästinensischen Stadt Geser" veröffentlicht, und Professor D. Hashagen in Rostock hat das Verdienst, diese .„Streiflichter" in einer autorisierten deutschen Ausgabe der Gemeinde der deutschen Bibelleser zu- 62