Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 5 (1908)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Bedeutung der Palästinaforschung für die Bibel
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 61 (sequence 2)
- Language
- German
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halten haben. Und zwar nicht auf Grund scharfsinniger Konjekturen oder geistreicher Konstruktionen, die sich nur aufs neue anfechten Hessen, sondern auf Grund tatsächlicher und zwingender Beweismittel, die jetzt mit anderen Funden, dem ottomanischen Gesetze entsprechend, in einem der grossen Altertumsvasen von Konstantinopel bereit liegen/ Bei der Ausgrabung fand man nämlich auf einer Reihe von tönernen Krügen und Gefässen in die Handgriffe derselben Namen und Siegel geprägt, wie die Verfertiger sie auch in anderen Ländern und in späteren Zeiten dem Werk ihrer Hände als Abzeichen mitgeben. Diese Bruchstücke wurden in einem Korbe gesammelt; bei der Prüfung ergaben sie unabweisbare Beziehungen auf die Namenreihe der Chronika. Wir können den Verwickelten Untersuchungen nicht im einzelnen nachgehen und heben nur heraus, dass sich acht Namen aus dem Chronikabericht (Kap. 4) ergaben; dass sich ferner die Namen von vier Töpfern unter den Stempeln ebenso vorfanden, wie sie in der biblischen Liste vorkommen, und zwar zwei in völliger Uebereinstimmung, zwei in leiser Abänderung; und dass endlich Siegel mit dem aus Aegypten stammenden religiösen Emblem des Skarabäus (des heiligen Mistkäfers) und den Worten „für den König" gefunden wurden, die sich seltsam zu dem Sinne von Vers 13 und dem Wortlaut von Vers 23 fügen. Nach diesem Vers betreibt nämiich die Familie, von der hier der Stammbaum aufgerollt wird, die Töpferei und arbeitet „für den König" von Juda; in Vers 18 erhält der Ausdruck „Bithja, die Tochter Pharaos" neues Licht. Derselbe war bisher ein ungelöstes Rätsel, denn mit Recht fragte man sich, ohne eine befriedigende Antwort zu finden: Wie kommt eine ägyptische Königstochter in ein Geschlechtsregister des Stammes Juda, und wie kommt ein judäischer Töpfer zu der Heirat mit einer Prinzessin? Der SkaraMus der Tonsiegel rückt die ganze Steile unter einen anderen Gesichtspunkt. Die Wahl des Siegels beweist, dass die in jener Stelle genannten Fämiliengiieder sich heidnisch-ägyptischen Einflüssen hingegeben haben. So gewinnt die biblische Ausdrucksweise: „Bithja (= Tochter Jehovahs), Tochter Pharaos", eine symbolische Bedeutung und soll wohl den damals in jener Familie herrschenden Religionsstand als den einer Religionsmengerei kennzeichnen. An der Hand dieser einfachen, halb zertrümmerten Henkel und auf Grund von Untersuchungen, welche die biblischen Berichte teils direkt an die Hand geben, teils durch logische Schlüsse ermöglichen, sieht sich der Leiter der englischen Ausgrabungen, R. A. Stewart Macalister, nunmehr in der Lage, nachzuweisen, erstens dass jene Kapitel der Chronika „das wirklich sind, was sie zu sein behaupten, nämlich eine Liste von Namen und Verwandtschaften zwischen menschlichen Indi- 61