Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 5 (1908)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Professor und Pfarrer Dr. Konrad Furrer
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 43 (sequence 3)
- Language
- German
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verstanden. Aber auch der Misswirtschaft der leicht bestechlichen türkischen Beamten schob er viel Schuld zu für die Ungunst der heutigen Verhältnisse. „Palästina wird einst wieder Jüdisches Land werden und dann wird es blühen und fruchtbar sein", so rief einst Furrer vor einer grossen Zuhörerschaft in der zionistischen Ortsgruppe Zürichs aus und man glaubte einen altjüdischen gottbegeisterten Propheten zu hören —- und wir glaubten und glauben ihm so gern. Auch in den zionistischen Vereinen zu Basel und Bern hat Furrer Vorträge über Palästina gehalten und stets waren Zionisten und Antizionisten versammelt, wenn Furrers Reden angesagt wurden. Seine Liebe und sein Interesse für Palästina hat er auch dadurch bezeugt, dass er einer der Mitbegründer und Hauptmitarbeiter der Zeitschrift des deutschen Palästina-Vereins war, wo er mit Männern, wie Professor Kautzsch, Nöldecke, Guthe, Bickel zusammenarbeitete und manchen Artikel über orientalische Verhältnisse veröffentlichte. So ist er dahingegangen, der wackere, edle Menschenfreund. Auf dem Boden der Geschichte stehend, begriff er auch das Sehnen der heutigen Judenheit und hatte Interesse für ihre Zukunft. Er Hess dem Judentum allezeit Gerechtigkeit angedeihen und verehrte in den Juden der Jetztzeit die Nachkommen von grossen Geschlechtern und Männern. Toleranz und Menschenliebe waren Furrers Haupteigenschaften. An seinem Grabe widmet ihm ein Schüler, der ihn hochverehrte, diese wenige Zeilen als ein Zeichen treuen Gedenkens. □ Das Schulwerk des Hilfsvereins in Palästina.*) Unser Schulwerk in Palästina hat auch in diesem Jahre einen Zuwachs erfahren. Bei dem Umfang, den das Schulwerk des Hilfsvereins während der kurzen Zeit seines Bestehens angenommen hat, bei der Ausdehnung, die ihm noch bevorsteht, nahm Herr Dr. Nathan; bei einer Reise in Tden Orient besondere Veranlassung, die orientalischen Lebens- und Wirtschaftsverhältnisse und insbesondere die Schulverhältnisse in Syrien und Palästina an Ort und Stelle zu studieren und im besonderen die Institute des Hilfsvereins eingehend zu besichtigen. Herr Dr. Nathan und Herr Dr. Mittwoch wurden auch in Syrien und Palästina allerorten von der jüdischen Bevölkerung, Aschkenasim wie Sephardim, aufs zuvorkommendste empfangen und konnte Herr Dr. Nathan in alle Verhältnisse genauesten Einblick nehmen. *) Aus dem soeben erschienenen Jahresbericht des „Hilfsvereins der deutschen Juden". 43