Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 5 (1908)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die hebräische Sprache in Palästina
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 21 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/2379786-2379804-2379807-2413417--01482-2413478- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
den.1) Bald darauf gesellten sich zu diesen psychologischen Motiven auch andere rein ökonomischer Art. Der Antisemitismus, der sich trotz der fortschreitenden Bildung und Kultur, in Europa festsetzte, machte den Juden das Leben in der Diaspora sauer und vernichtete jede Hoffnung auf mildere Behandlung. Endlich bewirkten die Volksausschreitungen gegen die Juden, die damals in Russland und in Rumänien anfingen, und die darauf folgenden Beschränkungen aller ihrer Rechte eine Massenemigration aus diesen Ländern. Diese in die soziale Stellung der Juden eingreifenden Ereignisse führten dazu, den geistig-nationalen Bestrebungen und der ökonomischen Not mit ein und demselben Mittel abhelfen zu wollen. Es begann jene kochende mnd gährende Bewegung im Volke, die Anfangs mit dem Namen „Zionsliebe" bezeichnet und später in der Form des politischen Zionismus der ganzen Welt bekannt geworden ist. , Begeisterte jüdische junge Leute begaben sich fast ohne Mittel nach dem heiligen Lande, um mit ihrer Hände Arbeit das Land ihrer Väter zu bebauen und ein neues Leben dort anzufangen. Diese Pioniere hegten das heisse Verlangen, jn ihrer alten Heimat auch die nationale Sprache wieder aufleben zu lassen. Freilich würde dieser noch so energischer Wille allein kaum imstande gewesen sein, diesen Wunsch zu erfüllen; es wurde vielmehr erst durch die neuen Umstände ermöglicht. Zunächst führte der 'Beweggrund, dass der ins Land zurückkehrende Jude den Einheimischen nicht als Fremdling, sondern als: Mitbürger erscheinen sollte, die neuen Ansiedler dazu, ihre alte semitische Sprache wieder zu sprechen und nicht irgend einen europäischen Dialekt. Nur so wurde es ihnen möglich, in dem semitischen Kulturleben einen angesehenen Platz einzunehmen. Ein viel wichtigerer Beweggrund wurde aber die Notwendigkeit, den Zusammenhang der jüdischen Elemente selbst im Heiligen Land zu vermitteln. Hier nämlich trafen von Jeher; Juden aus verschiedenen Ländern, ja aus verschiedenen Weltteilen zusammen, die keine andere allgemeine Sprache ausser der hebräischen hatten* und deshalb musste diese zur Verkehrssprache unter ihnen werden. Eben derselbe Umstand nötigte sie, auch in den Schulen, wo jüdische Kinder verschiedener Zunge ihren Unterricht erhielten, das Hebräische als Vortragssprache zu gebrauchen. Dieses hatte die Einführung der natürlichen Unterrichtsmethode zur Folge, die jetzt mit dem Namen ibrith b' ibrith bekannt ist. Hier entstanden zuerst die Vereine, welche sich die Wiederbelebung x) Unter den Einfluss der Ereignisse im Jahre 1878 scheinen die Artikel über Zentralisierung der Juden durch eine Kolonisation in Palästina im „Haschachar" von dem damaligen Studenten Ben-Jehuda verfasst zu sein. 21