Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 5 (1908)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Wert und Wertsteigerung des Bodens im Orient
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 1)
- Language
- German
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Rektor Eberhard, (Zarrentin): Wert und Wertsteigerung des Bodens im Orient, Als der deutsche Kronprinz Friedrich Wilhelm im Jahre 1869 zur Eröffnung des Suez-Kanals in Aegypten weilte, schenkte der Vizekönig Ismail Pascha, der Großvater des jetzigen Khediven, der deutschen evangelischen Gemeinde, die etwa 70 Seelen zählte, einen Platz 5000 Quadratmeter zum Bau von Kirche und Schule. Das Grundstück lag hinter dem Hotel der Peninsular Oriental Company in einer ziemlich öden Gegend und war so gut wie wertlos. Inzwischen ist nun das Ismailie-Viertel planmäßig bebaut worden, die öde Umgebung der Kirche ist durch den deutschen Obergärtner des Prinzen Hassan in einen schmucken, grünen Garten umgewandelt worden und vor wenigen Monaten hat der Khedive Abbas Pascha das seinerzeit unentgeltlich überwiesene Grundstück, jetzt eine Zierde des Ismaiüe-Viertels, zu einem Preise zurückgekauft, der den Grundstückswerten der Berliner Friedrich-Straße wenig nachsteht. Er zahlte etwa 1200 Mark für den Geviertmeter, sodaß die deutsche Gemeinde für ihre 3400 Geviertmeter fast vier Millionen erzielte und nicht nur in die Lage versetzt worden ist, sich in einer anderen Gegend, am Anfang von Bulek, ein anderthalbmal so großes (7500 Quadratmeter) Terrain zu kaufen, sondern noch über zwei Millionen für die Gründung von Wohlfahrtseinrichtungen verwenden konnte. Nicht schlagender kann der Beweis von der Entwicklung Kairos erbracht werden, als durch diese fabelhafte Steigerung der Grundstückspreise. Aber der Khedive geht auch planmäßig an die Erschließung seines Landes. Bis vor wenigen Jahren galt Alexandria als Westgrenze der ägyptischen Kultur; einen Schritt weiter, und uns umfing die öde Mareotis-Landschaft der Libyschen Wüste. Heute ist dies Gebiet durch eine Eisenbahn erschlossen; die Regierung hat verstanden, den im Uebergang zur Seßhaftigkeit begriffenen Beduinen Lust zur Niederlassung zu machen, und schon beginnt „die Wüste von gestern" eine der Getreidekammern für das ungeheuer konsumierende Egypten zu werden. Lehrreiche Beispiele für Rentabilität des Bodenerwerbs, die sich aber unschwer durch Beiträge aus anderen Mittelmeerländern vermehren ließen. Wir verweilen bei Palästina. Der deutsche Kronprinz reiste von der Einweihung des Suez-Kanals nach Jerusalem und ergriff hier feierlich Besitz von dem „Muristan", jenem Platz in der Mitte der Stadt, der einst die großartigen Bauten der Johanniterritter getragen hatte. Der Sultan hatte diesen denkwürdigen Platz, auf dem sich jetzt die evangelische Erlöserkirche und eine Tagschule befinden, König Wilhelm I. geschenkt. Heute kostet der Boden in Jerusalem, d. h. in der Neustadt vor dem Jaffator, wo der Brennpunkt der Kultur ist, 9