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Palästina · 1937-12-01 · Heft 12 (Dezember 1937) · p. Seite 634

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
20 (1937)
Issue
Heft 12 (Dezember 1937)
Article
Die Zukunft des Gemüsebaus
Date
1937-12-01
Page
Seite 634 (sequence 3)
Language
German
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ohne die Kosten für die Bestellung des Gartens, 7 bis 8 £P monatlich einnehmen, um leben zu können. Umgerechnet ergibt das in der Gemüsegärtnerei einen Bruttoertrag von mindestens 30 £P pro Dunam jährlich. Der jüdische Gärtner kann also nur solche Gemüse anbauen, von denen er begründete Hoffnung hat, daß sie ihm diesen Ertrag bringen. Dadurch scheiden bestimmte Gemüse von vornherein aus, weil sie mengenmäßig oder dem Preis nach wahrscheinlich diesen Ertrag nicht abwerfen werden. Ganz anders die arabischen Fellachen in Palästina oder Syrien, die mit ihrer Familie mit 2 £P monatlich bequem leben und die ihren Arbeitern außer der Verpflegung einige Pfund jährlich bezahlen, während ein jüdischer Arbeiter 2 bis 3 £P monatlich verdient. Ich glaube nicht, daß man die palästinensische Grenze jemals vollständig gegen ausländisches Gemüse wird schließen können. Das einzige, was sich eventuell erreichen lassen kann, sind Gemüsezölle. Ich möchte hier nur nebenbei bemerken, daß die jüdische Bevölkerung in Haifa im großen und ganzen sehr gut nationale Disziplin hält und jüdische Gemüse kauft, wenn es irgend möglich ist. Was ist aber gegen Überproduktion zu tun? Es gibt ein nationalökonomisches Gesetz, daß sich der Preis landwirtschaftlicher Erzeugnisse nach dem Orte richtet, an dem sie am billigsten erzeugt werden können. Laßt man also die Dinge so laufen, wie sie sind, so wird ein natürlicher Ausscheidungsprozeß eintreten, und wenn nicht alle Anzeichen trügen, so sind wir schon mitten darin. Zuerst hören die Betriebe, die am teuersten erzeugen oder keine Barreserven haben, auf, Gemüse zu bauen und so fort, bis sich Angebot und Nachfrage so balancieren werden, daß die am billigsten erzeugenden Gärtner gerade noch existieren können. Jeder, der zionistisch empfindet, wird diesen Ausweg verurteilen. Die meisten Gemüseerzeuger haben sich auf Grund zionistischer Propaganda angesiedelt und ihre gesamten Mittel in ihrem Betrieb investiert. Es muß wenigstens versucht werden, ihnen zu helfen. Aus einer Überproduktion kommt man auf zwei Arten heraus. Entweder durch Einschränkung der Erzeugung oder durch Erweiterung des Absatzes. Bevor die zweite Möglichkeit gestreift wird, sei noch eine Frage angeschnitten, die sich jedem aufdrängen wird. Warum stellt sich nicht ein Teil der Gemüsebetriebe auf rentableren Anbau um? Erstens gehören dazu Mittel, die die meisten Betriebe nicht haben, zweitens stehen alle landwirtschaftlichen Zweige vor denselben Problemen wie der Gemüsebau. Würden so viele jüdische Eier erzeugt werden, um die importierten Eier zu verdrängen, so würde sich der Preis um zirka 30% senken und dadurch in dem größten Teil der Fälle unter den Gestehungspreis sinken. Ähnlich ist es mit Milch. Schon heute ist die Tnuvah gezwungen, einen großen Teil der Milch zu Nebenprodukten zu verarbeiten, wodurch die Kwuzoth kaum mehr als ihre Gestehungskosten erhalten. Tausend Kühe mehr — ohne Vermehrung der Stadtbevölkerung —, und der Preis, den die Wirtschaften erhalten, sinkt unter die Gestehungskosten. Palästina ist ein sehr kleines Land, und die Hunderttausend jüdischen, städtischen Familien erlauben nur eine sehr allmähliche Ausdehnung unseres Siedlungswerkes. Was ist also zu tun? Ein amerikanischer Industriekönig hat einmal gesagt: »Organize the sale and production will take care of itself!« Verdeutscht würde das heißen: »Organisiert nur den Absatz; die Erzeugung wird automatisch für sich selbst sorgen«. Hier liegt ein schweres Versäumnis unserer zionistischen Behörden, auf das ich schon 1927 hingewiesen habe (in der Broschüre »Gedanken zur zionistischen Kolonisation auf unbewässerten Böden«, im Verlag der Buchhandlung Kedem2). Wir haben uns bis jetzt nur darauf beschränkt, neue Siedlungen zu schaffen. Außer ein paar zaghaften 2 Die Broschüre enthält die Artikel des Verfassers, die im Jahrgang 1927 dieser Zeitschrift abgedruckt wurden. — Anm. d. Red.

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