Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 20 (1937)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1937)
- Article
- Die Zukunft des Gemüsebaus
- Date
- 1937-12-01
- Page
- Seite 633 (sequence 2)
- Language
- German
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über Palästinas Einfuhr von Gemüsen, Eier, Geflügel, Milchprodukten usw. beigebracht wurden und daraus in wissenschaftlich einwandfreier Form abgeleitet wurde, wieviel neue jüdische Siedler noch nötig sind, um nur diesen Bedarf zu decken. Wenn es mir recht erinnerlich ist, kam der Referent auf mehrere Hunderttausende, die unter heutigen Verhältnissen in Palästina auf dem Lande noch Platz haben. Wahrscheinlich hat er Recht. Ich habe auch garnicht die Absicht und die Kompetenz, dagegen zu polemisieren, jedoch kann man alles von verschiedenen Gesichtspunkten aus betrachten, und vielleicht ist die Ansicht eines Praktikers, der jeden Tag mit diesen Fragen zu tun hat, nicht ohne Interesse. Um möglichst schnell zum Kern der Probleme, die der palästinensische Gemüsehau auf wirft, zu kommen, müssen einige nüchterne Feststellungen vorausgeschickt werden. Palästina ist dank seiner klimatischen Verhältnisse (viel Wärme und Licht) cm ungemein fruchtbares Land. Wo künstliche Bewässerung möglich ist, kann ein geschickter Gärtner mit Hilfe aller fachlichen Hilfsmittel bis achtmal im Jahr von demselben Boden ernten. Darum ist auch in Palästina eine sehr dichte Besiedlung möglich. \l\n kräftiger Mann kann intensivst höchstens 3 Dunam (3500 m2) gartenmäßig mit Gemüse bestellen, und eine Familie kann ohne fremde Hilfe nicht mehr als 5 Dunam '!2 ha) bearbeiten. Es ist sehr wichtig für die Leser dieser Zeilen, sich klar zu machen, welche Gemüsemengen auf sehr kleinen Flächen mit Hilfe künstlicher Bewässerung erzeugt werden können. Ein Dunam (= 1000 m2 Vio ha) genügt, um zehn bis zwölf Familien laufend mit allen Gemüsen zu versorgen, die sie nötig haben. Nun beträgt die jüdische Stadtbevölkerung von Haifa, die jüdisches Gemüse kauft, zirka 15.000 Familien. Naharia mit seinen augenblicklich zirka 120 Siedlern, die meinen Informationen nach zirka 400 Dunam intensivst mit Gemüse bestellen, würde also ausreichen, mehr .ils ein Viertel der Haifaer Stadtbevölkerung vollständig mit Gemüse zu versorgen. Da Naharia aber viele Gemüse nicht anbaut, weil sie entweder geldlich nicht lohnend oder saisonmäßig schwierig sind, so erreichen die Erzeugnisse von Naharia mehr als die Hälfte der Haifaer jüdischen Bevölkerung. Wo sollen da Kirjath Bialik, Kirjath Chaim, Ugur. Nahala, Athlith, Benjaminah, Pardess Chanah, um nur einige zu nennen, ihre Erzeugnisse verkaufen? Es entsteht also der Zustand, von dem ich einleitend sprach, «aß der Haifaer Markt überfüllt ist, und die Gemüse nicht die Gestehungskosten eingingen- In dem Maße, in dem neue Siedler zusätzlich produzieren werden, wird sich icr Markt weiter verstopfen, wenn sich nicht die Stadtbevölkerung stark vermehrt. Die natürliche Frage wird jetzt sein, warum man denn dann soviel Gemüse aus dem Ausland einführt. Ein Grund liegt in den Gemüsen selbst. Jedes Gemüse hat seine pezifischen Anbauzeiten, in denen es in unserer Gegend am besten wächst, z. B. die Kohlarten zwischen November und April, Kartoffeln im Frühjahr und Herbst, Tomaten. Eierfrüchte, Speisekürbis und anderes in den heißen Monaten usw. Außerhalb •■'•eser Zeiten ist der Anbau zwar nicht unmöglich, aber die gärtnerischen Hilfsmittel, man anwenden muß, verteuern ihn so. daß die Gemüse nicht konkurrenz- :<-hig gegenüber solchen sind, die unter natürlichen Verhältnissen angebaut werden. kommen darum im Sommer, wenn die palästinensischen Kartoffeln geerntet sind, •^-rtoffeln aus Syrien und Cypern, Weißkohl aus der Damaszener Guttah usw. Noruerweise müßte dafür Palästina Frühgemüse nach Syrien ausführen, was auch schon ihrend einiger Jahre der Fall war. Der zweite und wichtigere Grund, daß Palästina '■'■'müse einführt, liegt in den Gestehungskosten i. Eine jüdische Familie mit Kindern muß, 1 Vgl. damit den Aufsatz: »Die Frucht- und Gemüseproduktion«. Von David Horor in Nr. 5 dieser Zeitschrift. — Anra. d. Red.