Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 20 (1937)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1937)
- Article
- Die Bedeutung des Zitrusbaues für die Volkswirtschaft
- Date
- 1937-12-01
- Page
- Seite 631 (sequence 11)
- Language
- German
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Da im Laufe der nächsten zehn Jahre mit einer Steigerung der palästinensischen Orangenausfuhr um mindestens 10 Millionen Kisten zu rechnen ist, so wird diese Industrie ihre herrschende Stellung in der palästinensischen Ausfuhr beibehalten. Ob und inwieweit die Absatzstruktur der Jaffa-Orange gleichzeitig die ländermäßige Gliederung der Gesamtausfuhr nach ihrer wertmäßigen Bedeutung widerspiegeln wird, hängt davon ab, wie sich der Strukturwandel der palästinensischen Volkswirtschaft auf die Ausfuhr auswirken wird. Bisher hat der Strukturwandel in der palästinensischen Volkswirtschaft im Laufe der letzten Jahre in der Exportstruktur derselben noch keinen kongruenten Ausdruck gefunden. Die Ursache hierfür liegt in der durch die Einwanderung bedingte Erweiterung des Binnenmarktes und der hohen Steigerung seiner Aufnahmefähigkeit für Industrieprodukte, die in schnellerem Tempo wuchs als die inländische Produktion. Von dem 1935 auf 10 Millionen £P geschätzten industriellen Produktionswert werden nur 478.800 £P, also noch nicht einmal 5% ausgeführt. Mit der Ausdehnung der industriellen Produktion gewinnt die Frage nach entsprechenden Absatzmärkten steigende Bedeutung, zumal die volle Produktionskapazität der jungen Industrien, insbesondere der in den beiden letzten Jahren gegründeten Betriebe sich erst in den nächsten Jahren durch Angebotssteigerung auswirken wird. Die Ausfuhrrangliste zeigt, daß die natürlichen Absatzmärkte für die palästinensischen Zitrusfrüchte und die palästinensischen Industrieprodukte nicht dieselben sein werden. Während das wichtigste Absatzgebiet der Jaffa-Orangen die europäischen Länder mit hoher Kaufkraft und hoher Lebenshaltung der breiten Massen bildet, ist das natürliche Absatzgebiet der palästinensischen Industrie sein wirtschaftsgeographisches Hinterland: der Vordere Orient. Darauf deutet bereits der Umstand hin, daß Ägypten und Syrien 1933 und 1934 mehr als 50% der palästinensischen Industrieausfuhr aufgenommen haben. Die Möglichkeit, mit denjenigen Staaten besondere Handelsverträge abzuschließen, deren Gebiete 1914 ganz in der Asiatischen Türkei oder Arabien lagen, verstärkt das Gewicht des vorderasiatischen Wirtschaftsraumes als Absatzgebiet für die Industrie. Charakteristisch ist in dieser Hinsicht die Intensität der syrisch-palästinensischen Handelsbeziehungen, die Syrien zum zweitwichtigsten Abnehmer Palästinas machen. Die steigende Bedeutung Palästinas als Absatzgebiet mit verhältnismäßig hoher Kaufkraft und rasch erweiternder Aufnahmefähigkeit schafft die prinzipiellen Voraussetzungen für die Geneigtheit der palästinensischen Einfuhr Zollvergünstigungen, insbesondere für solche Industrieprodukte zu gewähren, auf deren Einfuhr der betreffende Staat zur Deckung seines Bedarfs nahezu vollständig angewiesen ist. Günstige Voraussetzungen der Erweiterung der Ausfuhr würden sich — insbesondere auch für die palästinensische Industrie — durch eine vertragliche Neuregelung der palästinensisch-irakischen Handelsbeziehungen ergeben. Die günstige handelspolitische Lage Palästinas ais Vertragspartner des Irak zeigt die Tatsache, daß die irakische Ausfuhr nach Palästina im Zeitraum 1932/35 um das Siebenfache gestiegen ist, und daß Palästina im ersten Vierteljahr 1936 das wichtigste Absatzgebiet der Warenausfuhr des Irak war. Während seine Ausfuhr nach Palästina 1935 220.000 £P betrug, belief sich die palästinensische Warenausfuhr nach dem Irak auf 7000 £P. Unter den Ausfuhrwaren stellten die Textilwaren das größte Kontingent. Da die Textileinfuhr nach dem Irak den Gesamteinfuhrwert palästinensischer Waren um ein Vielfaches übertrifft, und da die irakische Wirtschaft infolge Reziprozitätsmaßnahmen gegen die japanische Ausfuhr vor einer Neuorientierung ihres Textiiwarenbezuges steht, so könnten dieser palästinensischen Industrie — um nur ein markantes Beispiel herauszugreifen — durch