Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 20 (1937)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1937)
- Article
- Die Bedeutung des Zitrusbaues für die Volkswirtschaft
- Date
- 1937-12-01
- Page
- Seite 629 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 86% known words query
- IRI
…/2379786-2379953-2379965-2413054--26440-2413230- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Die wichtigsten Orangennebenprodukte sind Fruchtkonserven und Fruchtsaft. Orangenöl, Orangenwein und Zitruspektin, das als Zusatzmittel bei der Hersteilung von Marmelade verwendet wird. Der Erfolg der Orangen verarbeitenden Industri wird vor allem davon abhängen, wie weit es gelingt, den Orangensaft konservierbar zu machen, ohne daß es notwendig ist, bei dessen Gebrauch einen hohen Prozentsatz einer anderen Flüssigkeit hinzuzufügen. Bei der heute üblichsten Verwendung als Gemisch von Zucker, Sirup und Orangensaft gibt eine Tonne natürlichen Saftes 3 Tonnen Sirupsaft und 30 Tonnen mit Wasser verdünnten gebrauchsfähigen Getränks8. Bei einem so geringen Anteil des reinen Orangensaftes am fertigen Getränk wird selbst eine sehr erhebliche Steigerung des Konsums nur eine geringe Zunahme der Verbrauchsverwendung exportunfähiger Orangen zur Folge haben. Die Bemühungen der Orangen verarbeitenden Industrie sind daher darauf gerichtet, exportfähige Getränke mit einem höheren Prozentanteil reinen Orangensaftes herzustellen. Beim palästinensischen Orangenöl, das von hoher Qualität, aber nicht so fetthaltig ist. wie das anderer Länder, ist das Verhältnis der zu verarbeitenden Menge von Orangensaft zum Endprodukt ebenfalls ungünstiger. Aus einer Tonne Frucht werden :irka 4 kg Öl gewonnen. Bei der für die nächsten Jahre zu erwartenden Produktionssteigerung kann das Problem des Absatzes der nicht exportfähigen Früchte durch die Orangen verarbeitenden Industrie nur gelöst werden, wenn es gelingt, die ausländischen Märkte rasch zu erobern. Den Erfolg der ersten Anfänge zeigt die Tatsache, daß sich die Ausruhr an Fruchtsaft und Sirup in dem Zeitraum 1931/35 bei gleichzeitiger erheblicher Steigerung des inländischen Konsums nahezu verdreifacht hat. Als Absatzgebiete kommen vornehmlich die Hauptabnehmer der palästinensischen Orangen in Frage. England steht auch hier an erster Stelle. Holland und die Schweiz iMben einen erheblichen Bedarf an diesen Fruchtsäften, während man in Mittel- und Osteuropa noch vor der Aufgabe steht, die Bevölkerung zur Verwendung von Orangen- Nebenprodukten zu erziehen. Der marktwirtschaftliche Vorteil der Orangen verarbeitenden Industrie gegenüber der Orangenindustrie besteht vor allem darin, daß sie nicht auf einen saisonmäßigen Ernteschwankungen unmittelbar unterworfenen Absatz ihrer Vodukre angewiesen ist, sondern eine systematische Eroberung der Märkte mit einer M:eichmäßigen Beschickung derselben verbinden kann. In betriebswirtschaftlicher Hingeht ergibt sich allerdings für die Erzeugung die besondere Schwierigkeit, daß die Verarbeitung der Frucht innerhalb der Saison erfolgen muß, und daß daher eine volle Beanspruchung des Betriebes und eine volle Ausnutzung der Produktionskapazität nur -".nige Monate im Jahre möglich ist. Die dadurch bedingte saisonmäßige Beschäftigung -ines großen Teils der Arbeiterschaft erschwert die Heranbildung eines festen Arbeiter- :ammes. und bewirkt, daß der Anteil der fixen Kosten an den Gesamtkosten sehr hoch >t. Das beeinträchtigt die Anpassung der Erzeugung an die jeweiligen Absatzbedingungen und eine Variierung ihrer Struktur sehr. Diese erschwerenden Bedingungen hat "n-an teilweise durch Angliederung der Orangenverarbeitung als Teilbetrieb an eine ■"■-■-zougung verwandter Produkte zu umgehen versucht. 2. Vom Standpunkt der Handelspolitik* Das Zusammenwirken dieser binnenwirtschaftlichen Funktionen der Orangenindu- ~ie mit ihrer ausschlaggebenden Rolle in der Gesamtausfuhr verleiht ihr besondere " Vgl. dazu Bravermann, The Cullproblem and the By-Products-Industry in Pale- * -e. Hadar«, Vol. 8, Seite 105.