Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 20 (1937)
- Issue
- Heft 11 (November 1937)
- Article
- Musik. Von Gerhart Hirschberg, Tel Aviv.
- Date
- 1937-11-01
- Page
- Seite 572 (sequence 2)
- Language
- German
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entwickeln wird, ob diese Musik, wenn sie musikalische Geister hier schaffen, orientalische Musik sein wird, oder die Grundlagen ihrer Harmonik und Melodik fremden Ursprungs sein werden. Wir haben unter den zeitgenössischen Musikern bereits eine beachtliche Schar, die sich mit diesen Dingen auseinander zu setzen sucht. Wir möchten nur an Namen wie Ernest Bloch usw. erinnern, die rein jüdische Musik zu schaffen versuchen. Wer sich für diese Fragen interessiert, sei auf die Untersuchungen von Robert Lachmann verwiesen, der an der hebräischen Universität in Jerusalem die Grundlagen und Traditionen jüdischer und orientalischer Musik durchforscht hat, wobei auch dem arabisch-jemenitischen Einfluß Rechnung getragen wurde. Inwieweit ein europäisches Ohr die Schönheiten dieser Musik empfinden kann, mag zunächst dahingestellt sein. Jedenfalls ist der gegenwärtige Zeitpunkt noch zu früh, um klar zu erkennen, ob und inwieweit nationale jüdische Musik geschaffen werden kann. Wir sind nur in der Lage, Ansätze zu sehen, die durchaus in der Zukunft auf neue Wege führen, zu neuen musikalischen Zielen, verwurzelt in der jüdisch-palästinensischen Welt. Zum Schluß nur noch ein Wort über die Volksmusik der Gemeinschaften! Diese hat sich, geschichtlich gesehen, aus der Liturgie entwickelt, genau so wie sich bei fast allen Völkern der Erde aus dem Tempelgesang und dem Gottesdienst die heutige Musik entwickelt hat. Auch wir bilden hierin keine Ausnahme. Überbleibsel aus dem alte Rezitativstil des jüdischen Gesanges sind uns erhalten. Wir unterscheiden dabei den aschkenasischen Stil, der nordosteüropäischen Einfluß aufweist, und den orientalisch-sephardischen Stil, dessen Elemente von arabischer Musik durchsetzt sind. Noch heute werden diese alten Gesänge bei jemenitischen Hochzeiten unter Begleitung der Trommel aufgeführt, in Anlehnung an altbiblische Gebräuche. Unabhängig hiervon hören wir bereits schöne Lieder der Chaluzim, der Studenten und des musikalischen Jungvolks, ein Keim zu späteren Volksliedern, der Urzelle eines musikalischen Volkstums. Nachrichten und Daten POLITIK. Rücktritt des Hochkommissars» Sir Arthur Wauchope, dessen Amtsperiode erst vor kurzem für weitere fünf Jahre verlängert wurde und der sich auf Krankenurlaub in England befindet, wird Ende des Jahres zurücktreten. Der Kolonialsekretär gab am 25. Oktober eine dahingehende schriftliche Erklärung ab. Der Mufti geflohen. Der Terror geht weiter» In den abgelaufenen sechs Wochen hat der Terror neue Opfer gekostet. Um dem Mufti, der als Beduine verkleidet, am 17. Oktober aus der Omar-Moschee nach Beirut floh und sich seither dort aufhält, das Entkommen zu erleichtern, wurde an diesem Tage der Flugplatz in Ludd zerstört und sonstige Anschläge verübt. In Ludd wurde der Ausnahmezustand verhängt, die Bevölkerung in ihren Häusern konfiniert, einige Häuser Verdächtiger in die Luft gesprengt und 5000 £P Strafgelder einzutreiben begonnen. Der Terror spielt sich in den allzu bekannten Formen ab: Feuerüberfälle, Bombenwürfe, Sprengung von Bahngeleisen, Zerstörung von Telephonleitungen. In Daharija in Südpalästina wurde eine Polizeistation belagert und Waffenvorräte geplündert, in Hebron zwei britische Polizisten, bzw. in Jerusalem zwei britische Soldaten aus dem Hinterhalt erschossen.