Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 20 (1937)
- Issue
- Heft 11 (November 1937)
- Article
- Musik. Von Gerhart Hirschberg, Tel Aviv.
- Date
- 1937-11-01
- Page
- Seite 571 (sequence 1)
- Language
- German
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Musik» Von Gerhart Hirschberg, Tel Aviv. Im jüdischen Kulturkreis haben wir, genau wie in zahlreichen anderen geistigen und kulturellen Bereichen unseres Volkslebens, Momente aufzuweisen, die wegen ihres Allgemeininteresses und ihrer Wichtigkeit für das jüdische Eigenleben eine kritische Untersuchung notwendig machen, so: Das Entstehen und W erden des palästinensischen Musiklebens. Diejenigen, die diesen Fragen im Lande ihre Aufmerksamkeit geschenkt haben, konnten die ganze Materie an Hand mehrerer Erscheinungen und deren verschiedenen Auswirkungen erleben. Im Gesamtbild sind die hauptsächlichsten drei Faktoren: der ausübende Künstler, der schaffende Künstler und die Volksmusik der Gemeinschaften. Unter den ausübenden Künstlern hat das von Bronislaw Huberman geschaffene Sinphonie-Orchester das beträchtlichste Aufsehen in der musikalischen Welt erregt. Seine Arbeit schließt sich zunächst dem klassischen Muster der großen Kulturländer an, die das Hauptkontingent dieser eminent begabten Körperschaft zur künstlerischen Reife entwickelt hatten. Schon nach verhältnismäßig kurzer Zeit sind deutlich jene unsichtbaren Klangfäden gesponnen worden, die die »Patina« auf dem fertigen Bau bilden und den inneren Wert auf eine künstlerisch höhere Stufe gebracht haben. Die Aufgaben des Orchesters, das als Erziehungsinstrument ein Faktor erster Ordnung ist, sind durchaus nicht leicht. Handelt es sich doch darum, in einer Bevölkerung musikalisches Verständnis für klassische Musik und die Moderne zu erwecken, die zum Großteil keinerlei Gelegenheit hatte, akademische Musik kennen zu lernen oder zu pflegen. In intensiver Arbeit und Schulung muß sich däs Ohr des Laien-Zuhörers für die Schönheiten der Meisterwerke musikalischer Genien erst einfangen lassen. Die neuerdings häufigen erklärenden Vorträge mit Demonstrationen am Flügel und auf Schallplatte von einigen Musikwissenschaftlern sind eine wertvolle Ergänzung zum Verständnis der Darbietungen. Durch die Mannigfaltigkeit der Ursprungsländer bedingt, werden auch zahlreiche Wege beschritten werden müssen, um dem neu sich konstitutierenden Volk das zu bieten, was ihm gefällt. Mögen die Ohren des Einen bei Kammermusik aufhorchen, die des Anderen beim Orchesterspiel, die Aufnahmefähigkeit und Freude an Musik hat ihren Anfang genommen und bereits Wurzel im Volksleben geschlagen! Mit Recht hat man nicht nur die im Winter von Prominenten geleiteten großen Sinphonie-Abende für diejenigen geschaffen, die den feinsten, gleichzeitig aber auch schwierigsten musikalischen Stoff genießen wollen, sondern man ist in den Sommermonaten auch dazu übergegangen, bei Konzerten unter freiem Himmel mit leichterer Musik dem primitiveren Hörer näherzukommen. Hier wurden Tänze und leichtere Ouvertüren gespielt, deren Klänge sich rasch in das Ohr schmeichelten. Natürlich fehlt es nicht an Gegnern dieser Unterhaltungsmusik, die eine Senkung des Niveaus befürchten, aber die Mehrzahl der Musikfreunde hat wohl doch die Einrichtung dieser Konzerte eines etwas leichteren Genres bejaht. Wir möchten bei dieser Gelegenheit daran erinnern, daß auch eine so prominente Körperschaft wie das Berliner Philharmonische Orchester jahrzehntelang in einem Kurort wie Scheveningen gewirkt hatte. Fügen wir noch hinzu, daß eine Anzahl vorzüglicher Solisten und Kammermusikvereinigungen in die Öffentlichkeit getreten sind, so haben wir das Bild eines Konzertlebens, wie es in der übrigen Welt auch existiert. Das Problem des schaffenden Künstlers in Palästina ist noch nicht klar umrissen. Es ist auch — ganz selbstverständlich — in der verhältnismäßig kurzen Zeit der Volkswerdung noch nicht klar erkenntlich, ob sich eine nationale jüdische Musik