Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 20 (1937)
- Issue
- Heft 11 (November 1937)
- Article
- Bemerkungen zur landwirtschaftlichen Wasserbilanz in Palästina
- Date
- 1937-11-01
- Page
- Seite 547 (sequence 5)
- Language
- German
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In allen Fällen, also auch bei schon eingeführten und erprobten Kulturen, ist die Wasserersparnis eine sehr wesentliche. Hierzu kommt noch das eben erwähnte Moment, daß durch die Beschattungsmethode neue Sorten herangezogen wTerden können, die bisher entweder überhaupt nicht oder nur als teure Delikatessen anzutreffen sind. Erfolge in dieser Richtung sind auch psychologisch für den Landwirt und besonders für den geistig eingestellten jüdischen Landwirt von großem Wert und sind geeignet, die Bindung zur Scholle in hohem Maße zu verstärken. . Aus dem Wenigen bisher gesagten folgt bereits, daß durch eine weit mehr als bisher geübte Beschattungsmethode eine große Zahl von Intensivkulturen in ihrem Ertrag stark gesteigert werden kann, daß weiters dadurch manche Arten in die Produktion einbezogen werden können, die bisnun nicht oder erfolglos versucht wurden und daß schließlich auf jeden Fall eine große Wasserersparnis, bzw. durch die zeitlich stark verlängerte Wasserhältigkeit des Bodens eine bedeutend rationellere Verwendung der gegebenen Wassermengen erreicht wird. Windschutz: Eine ganz ähnliche Wirkung wie die direkte Sonnenbestrahlung übt in bezug auf eine starke Steigerung der Verdunstungstätigkeit der Pflanze und auf eine zu schnelle Austrocknung des Bodens der Wind aus. Besonders gefürchtet ist aus diesem Grunde der sehr trockene und warme Chamsin (Ostwind). Aber auch der Westwind kann erheblichen Schaden anrichten, der schon durch die rein mechanischen Schädigungen infolge seiner Häufigkeit, Vehemenz und Dauer oft recht beträchtlich sein kann. Ein Windschutz ist daher bis auf wenige lokalklimatisch begünstigte Örtlichkeiten in Palästina bei den meisten Pflanzungen von großer Wichtigkeit und seine Anwendung ist auch im ganzen Lande stark verbreitet Am besten haben sich bisnun dazu Reihenpflanzungen von Zypressen bewährt. Durch ein abwechselndes Setzen der hohen und schlanken Form (Cupressus sempervirens var. pyramidalis) und der breitästigen Varietät (C. p. var. horizontalis) wird die Schutzwirkung noch erhöht. Die Frage des Windschutzes ist eine in der Praxis in allen Details so häufig erörtertes Problem, daß wir uns hier ganz kurz fassen können. Der Hauptnachteil der Zypressenpflanzung liegt darin, daß das Wurzelsystem dieser Bäume bis auf 5 m Entfernung einen schädlichen Einfluß auf das Gedeihen fast aller anderen Kulturen ausübt, so daß mit einem breiten, unproduktiven Flächenstreifen gerechnet werden muß. Ein zu weites Ausgreifen der Wurzeln kann von Zeit zu Zeit durch einen zirka 40 cm tiefen Graben und damit verbundenem Abhacken der seitlich gehenden Wurzeln vermieden werden. Um den unproduktiven Streifen doch nicht ungenützt zu lassen, haben wir dort Erdbeerpflanzen in Kisten untergebracht. Aussaatkisten, Mistbeete usw. kommen ebenfalls für diesen Zweck in Betracht. Versuche mit Rizinus als Windschutz haben wohl durch die Schnellwüchsigkeit und Dichte eine gute Schutzwirkung ergeben, doch zeigt sich als Nachteil, daß sehr bald, besonders in bewässerten Kulturen und in leichtem Boden, allenthalben mitten in der Pflanzung junge Rizinussprößlinge auftauchen, die sich nicht leicht ausrotten lassen. In großem Maßstabe gepflanzt könnte Rizinus allerdings durch die Verwertung der Samen (für medizinische und verschiedene technische Zwecke) und der Blätter (als gutes Viehfutter, eventuell auch für Seidenraupenkultur) auch außer der Schutzwirkung selbst noch einen guten Ertrag liefern, worauf bei der Kultivierung des südlichen Palästinas (Negew) besonderes Augenmerk zu richten wäre. Die Abnahme der Samen für industrielle Zwecke kommt jedoch nur bei ganz großen Quantitäten in Betracht, was sich im gegebenen Falle leicht organisieren ließe. Einen guten, aber nicht so weitreichenden Windschutz ergeben auch manche Schlingpflanzen, wie Dolichus, Passiflora usw. .Die geringe Reichweite des Schutzes