Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 20 (1937)
- Issue
- Heft 11 (November 1937)
- Article
- Bemerkungen zur landwirtschaftlichen Wasserbilanz in Palästina
- Date
- 1937-11-01
- Page
- Seite 545 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2379786-2379953-2379964-2412753--26191-2412922- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Ein anderes negatives Moment ist der relativ hohe Preis. 1 Ballen von zirka 70 kg lufttrockenem Gewicht kostet heute 3^2 £ und reicht für zirka 10 bis 15 Baumgruben, je nachdem ob wir leichten oder schweren Boden vor uns haben. In Gemüse- und Zierpflanzenbeeten ist mit einem Ballen pro 100 bis 200 m2 zu rechnen. Die Bereicherung des Bodens mit Torf kommt also vorläufig nur für intensive Kulturen in Betracht. Deren Ertragsfähigkeit wird allerdings durch ihn bedeutend gehoben. Die Gründe hiefür liegen nicht nur in der hier besprochenen wasserhaltenden Kraft, sondern auch noch in einer Anzahl anderer Eigenschaften, deren wichtigsten hier noch kurz erwähnt seien. Vor allem ist der meiste Boden in Palästina sehr alkalisch während der Torf sauer reagiert. Für die meisten Kulturpflanzen ist aber gerade die mehr oder weniger neutrale Reaktion, die durch diese Mischung entsteht die zuträglichste, um ein Optimum aus ihnen herauszuholen. In Sandboden, der infolge seiner besonders großen Wasserdurchlässigkeit sehr schnell austrocknet, wird dieser Nachteil durch Torf behoben,, ein schwerer Boden hingegen wird durch ihn aufgelockert, seine Verkrustung wird verhindert oder zumindest stark vermindert, was eine Voraussetzung für ein befriedigendes Gedeihen der Pflanzen ist. Ein gutes Beispiel hiefür bietet der Unterschied in der Kartoffelernte auf schwerem Boden mit und ohne Torf. An Stellen mit Torf zeichnen sich die Knollen durch weitaus größeres Wachstum und damit durch einen weit größeren Ernteertrag aus. Selbstverständlich ist auch die Arbeit des Unkrautjätens unvergleichlich leichter, wenn der Boden locker und nicht verkrustet ist; auch ist eine bessere Durchlüftung der oberen Bodenschichte gegeben, lauter für das Wachstum der Pflanzen sehr wichtige Momente. Die große Saugfähigkeit des Torfes zieht noch eine ganze Reihe anderer, ebenfalls wichtiger Verwendungsmöglichkeiten nach sich, auf die der Vollständigkeit halber noch flüchtig hingewiesen sein möge, da auch sie in der palästinensischen Wirtschaft in Betracht kommen und überdies, zu einem Teil wenigstens, mit einer Wasserersparnis verbunden sind/ So die Verwendung in Klärgruben und Trockenklosetts, besonders dort, wo keine geeignete Kanalisation vorhanden ist; — ein wirtschaftlich und hygienisch gleich wichtiges Problem. Weiters bei Aufforstungen, bei der Obsteinlagerung (Obst hält sich erfahrungsgemäß in Torf besonders lange frisch). Der Strohmangel läßt Torf auch als Stallstreu in Betracht kommen, um so mehr als die enorme Saugfähigkeit die Jauche festhält und so ohne zu große Verluste für die Düngung verwenden läßt. Noch rationeller ist allerdings hierbei die Verwendung des Torfes zum Auffangen der abfließenden Jauche. 1 Ballen Torfmull (75 kg) saugt zirka 600 Liter Jauche auf und hält zugleich die Luft frei von den ungesunden Ammoniakdünsten. Daß der Torfmist insbesonders in bezug auf den Gehalt von Stickstoff und Kali viel besser als Strohmist ist, wurde durch Versuche wiederholt festgestellt. Auch hier ist es hauptsächlich die wasserhaltende Kraft, bzw. die Saugkraft des Torfes, die die besseren Ernteergebnisse erklärlich machen. Aber auch abgesehen von diesen zuletzt genannten Verwendungsmöglichkeiten kann zusammenfassend gesagt werden, daß Torf als ein überaus wichtiger wassersparender Faktor für die palästinensische Wirtschaft in Betracht zu ziehen ist. Dies gilt insbesondere für die intensiven Kulturen. Dahingehende Versuche dürften besonders aussichtsreich in den Gebieten mit hohem Wasserpreis, bzw. mit Wassermangel sein. Wichtig sind aber auch Wasserverbrauchs- und Ertragsversuche in den Zitruskulturen, und zwar trotz des relativ billigen Wasserpreises in den betreffenden Gebieten, da dort Wasser in hohem und häufig für die Pflanzen gar nicht zuträglichem Maße oft nutzlos vergeudet wird. (Auch Vergleichsversuche mit anderen, den Wasserhaushalt günstig beeinflussenden Materialien, wie Kohlenasche usw. müßten