Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 20 (1937)
- Issue
- Heft 11 (November 1937)
- Article
- Bemerkungen zur landwirtschaftlichen Wasserbilanz in Palästina
- Date
- 1937-11-01
- Page
- Seite 544 (sequence 2)
- Language
- German
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sie für die palästinensische Landwirtschaft in Betracht kommen, soll bei dieser Gelegenheit am Schluß noch einiges angefügt werden.) Eine überaus große wissenschaftliche Literatur beschäftigt sich seit der Jahrhundertwende und auch schon früher mit den vielfältigen Fragen der Moorkultur und Torfverwertung, ja sogar eigene Zeitschriften stehen im Dienste dieser für die Wirtschaft sehr wichtigen Untersuchungen. Es würde weit über den Rahmen dieses Aufsatzes hinausgehen, wenn wir in die Details auch nur der wichtigsten Untersuchungen näher eingehen würden. Hier kann nur auf einige wenige Resultate hingewiesen werden. In einem Lande wie Palästina, wo die Verdunstungsmöglichkeit die jährliche Niederschlagsmenge weit übersteigt, muß sowohl bei der natürlichen als auch bei der künstlichen Bewässerung der Pflanzungen darauf gesehen werden, daß der Boden das Wasser auch möglichst lange halten kann, damit die Pflanzen die im BodenwTasser sich lösenden Nahrungsbestandteile in optimaler Zeit und Menge, also möglichst lange andauernd durch ihr Wurzelsystem aufsaugen können. Eine solche weitgehende Ausnützung der dem Boden zugeführten Wassermengen kann nun der Torf in den meisten Fällen ermöglichen. Ein kleiner Versuch zeigt dies in überzeugender Weise. Legt man ein vorher gewogenes Stück Sphagnum-Torfmull, sagen wir 10 g in ein Wasserglas mit einer Kochsalzlösung, so verschwindet die Flüssigkeit zum größten Teil und das Torfmullstück hat nunmehr eine Gewichtszunahme je nach seiner Qualität von 50 bis 100 g aufzuweisen, während das im- Glas Zurückbleibende, jetzt weitaus geringere Wasserquantum keinen Salzniederschlag zeigt. Das bedeutet, daß der Torf das Fünf- bis Zehnfache seines eigenen Gewichtes aufgesaugt hat, und zwar nicht nur das Wasser allein, sondern auch die im Wasser enthaltenen Lösungsbestandteile. Er saugt also das Wasser gleich in der für die Pflanzen lebenswichtigen Form von Nährsalzlösungen auf und hält sie für relativ lange Zeit für die Pflanzen bereit. Ohne Torfzugabe in den Boden kommt nur ein Bruchteil der aufgelösten Bestandteile bei der gleichen Wasserzugabe als Nahrungsquelle in Betracht oder aber, wir müssen ein Mehrfaches an W asser zugeben, um denselben Nähreffekt zu erzielen. Dies vor allem deshalb, weil ohne Torf die Austrocknung des Bodens in Palästina während des größten Teil des Jahres überaus schnell vor sich geht und die Wurzeln die Nahrungsstoffe nur durch Osmose, also ausschließlich nur in gelöster Form, nicht aber in trockener und daher fester aufsaugen können. Die starke Hygroskopie des Torfes hilft daher in hohem Maße, mit dem Bodenwasser hauszuhalten und kann in Chamsintagen unter gewissen Umständen dadurch die ganze Pflanzung vor dem Verderben behüten. Wir wollen hier gleich einige sonstige Vor- und Nachteile des Torfes besprechen, auch solche, die nicht direkt mit dem eigentlichen Inhalt des Aufsatzes, dem Wasserhaushalt zu tun haben. Ein eventueller Nachteil könnte dort entstehen, wo die Bewässerung sehr gering ist, so daß auch der Torf die meiste Zeit trocken ist. Hier könnte der Fall eintreten, daß ein Konkurrenzkampf zwischen der Saugkraft der Wurzeln und derjenigen des Torfes um das wenige im Boden vorhandene Wasser vor sich geht, wobei aber die Praxis annehmen läßt, daß die Saugkraft der lebenden Wurzeln, die bei manchen Arten verblüffend hohe Werte erreicht, doch die weitaus stärkere sein dürfte. Vergleichende physiologische Versuche könnten hier recht aufschlußreiche Resultate ergeben. Nichtsdestoweniger ist es notwendig, diese Eigenschaft des Torfes in Rechnung zu ziehen und ihn immer vor der Beimischung mit Erde zu durchfeuchten.