Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 20 (1937)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1937)
- Article
- Neuer Terror : Ermordung des Distriktsgouverneurs Mr. Andrews [Nachricht]
- Date
- 1937-10-01
- Page
- Seite 522 (sequence 1)
- Language
- German
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Neuer Terror» Ermordung des Distriktsgouverneurs Mr. Andrews« In den letzten acht Wochen hat sich der Terror verstärkt. Man kann ruhig sagen, daß er an die Stelle von Streik und Aufstandsbewegung als politisches Kampfmittel großen Stils getreten ist. Der Terror hat drei Klassen von Opfern, gemäßigte Araber, die sich dem Mufti und den Extremisten nicht unterwerfen, Juden und schließlich britische Beamte, beziehungsweise Polizisten. Der Zweck des Terrors ist vor allem: Einschüchterung der arabischen Bevölkerung und Zerstörung der Autorität der Regierung bei gleichzeitiger wirksamer Erhöhung des Respektes vor dem Mufti und den Geheimbünden. Die Ermordung politischer Gegner des Mufti geschieht planmäßig und wird zweifellos von einer zentralen Stelle geleitet, die auch das nötige Geld zur Verfügung stellt. Nur Emin el Husseini selbst verfügt in seiner Eigenschaft als Mufti über die großen Einnahmen, jene aus den Kirchengütern, die nach dem Peel-Bericht in 1936 67.000 £P betrugen. Wie stark die Stellung der Terroristen bereits ist, zeigt die Flucht des gemäßigten Bürgermeisters von Haifa, Hassan Schükri, der, um dem Tode zu entgehen, Palästina verlassen mußte. Am 26. September wurde in Nazareth der Distriktskommissär Lewis Y. Andrews und sein Leibgardist, der Wachtmeister P. R. Mc. E w a n, beim Verlassen der anglikanischen Kirche erschossen. Die Ermordung des Kommissärs des Norddistrikts, des dritthöchsten Beamten der Palästina-Regierung, Mr. Andrews, der seit 1920 einer der höchsten Beamten war und sich unter der jüdischen Bevölkerung wegen seines Gerechtigkeitssinnes, seiner freundlichen Hilfsbereitschaft und seines Mutes größter Beliebtheit erfreute, zeigt, daß die Terroristen entschlossen sind, das ohnedies geringe Ansehen der Regierung noch weiter zu vermindern. Trotz 200 Verhaftungen und 10.000 £ Belohnung für Auffindung der drei maskierten Mörder von Nazareth, wäre es verwunderlich, wenn die Nachforschungen Erfolg hätten. Zu sehr sind die arabischen Beamten und ein Teil der Polizei von der nationalistischen Agitation erfaßt und durch verwandtschaftliche und andere Bande mit jenen Kreisen liiert, die Träger des Terrors sind. Erst eine Reform der Verwaltung an Haupt und Gliedern und eine energische Aktion der Gerichte an Stelle der lauwarmen Beweisverfahren freundlicher Staatsanwälte könnte da eine Änderung herbeiführen. Nur Militärgerichte und die schleunige Vollstreckung ihrer Urteile könnten die Sicherheit wieder herstellen. Die falsche Unparteilichkeit der Verwaltung, die begierig die Gelegenheit ergreift, durch Massenversendung von Juden in das Konzentrationslager von Akko das Lob der Terroristen zu gewinnen, muß verschwinden, ehe es zu spät ist. Die neue Wendung: Verbannung der Mitglieder der arabischen Leitung zeigt, daß die Regierung anscheinend eine starke Haltung einzunehmen gewillt ist, aber vor den ordentlichen Gerichten mit ihren gegenwärtigen Beweisverfahren die Beziehungen der Verbannten zu den Terroristen und arabischen Beamten noch immer nicht aufdecken will. Bei den Juden, welche durch eineinhalb Jahre die sogenannte »Hawlaga« (Zurückhaltung) geübt haben, ist es anscheinend nicht mehr möglich, dieses Prinzip auch weiter voll durchzusetzen. Es kommt leider hie und da zu sogenannten Vergeltungsmaßnahmen seitens Jugendlicher, die aber keine solchen sind, da sie ja nicht die Schuldigen treffen. Außerdem ist deren Abschreckungswert zweifelhaft. In den letzten Wochen wurden in Jerusalem, Haifa, Kfar Jecheskel, Kerkur und anderen Orten neun Juden erschossen, davon zwei Arbeiter in Kerkur, einer in Kfar Jecheskel, einer auf der Straße nach Dagania. 25 Araber wurden in derselben Zeit erschossen, meist Gemäßigte, die Gegner des Mufti waren, darunter die Muchtare von fünf Dörfern und einige Polizisten.