Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 20 (1937)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1937)
- Article
- Halbjahresbilanz der Wirtschaftslage
- Date
- 1937-10-01
- Page
- Seite 512 (sequence 2)
- Language
- German
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eine wirtschaftliche Neubelebung fehlen. Aber auch stimmungsmäßig tappt man trotz der fortgeschrittenen politischen Klärung der Situation noch sehr im Dunkeln und man weiß in weiten Kreisen nicht recht, was von der Neuordnung der Dinge zu halten ist: Wann ist wieder mit einer großen Einwanderung zu rechnen? Wird diese Einwanderung die erforderlichen Kapitalien mitbringen? Wann kann vor allem die Industrie mit einer wirksamen zoll- und handelspolitischen Förderung durch den Jüdischen Staat rechnen? Welche neuen Pläne werden zur Durchführung kommen und in welcher Richtung wird die ganze weitere Entwicklung verlaufen? Welche finanziellen Belastungen werden die großen Aufgaben des neuen Staates mit sich bringen? Wird der neue Staat in seinen engen Grenzen überhaupt größere Entwicklungsmöglichkeiten bieten? An diese und ähnliche Fragen knüpfen sich zwar Hoffnungen, die sich aber bisher nicht in konkreten Unternehmungsgeist umsetzen konnten. So bemerkenswert die überraschende Widerstandsfähigkeit ist, die die große Masse der Unternehmungen auf allen Gebieten der Wirtschaft bisher in den beiden Jahren der Stagnation und politischen Belastungen an den Tag gelegt hat, so ist es andererseits doch eine Tatsache, daß die meisten der Betriebe sehr zu kämpfen haben und durch Finanzierungs- und Absatzschwierigkeiten stark in Mitleidenschaft gezogen werden. Rein stimmungsmäßig wirkt sich das auf die Dauer lähmend aus und läßt schwer neue Impulse aufkommen. Entwicklung der Außenhandelsumsätze und Handelsbilanz. In einem gewissen Gegensatz zu dieser stimmungsmäßigen Depression stehen die statistisch-objektiven Faktoren der Wirtschaft, die nach wie vor ein verhältnismäßig günstiges Bild ergeben. Das trifft zunächst auf den Außenhandel zu, der sich auf einem überraschend hohem Niveau gehalten hat: Import Export und Reexport Handelsbilanzdefizit In 1000 £P 1. Halbjahr 1937 .... 8.139 4.161 3.97S Juli 1937 ....... 1.254 205 1.049 Jänner/Juli 1937 . . . . 9.393 ~~ ~~ 4.366 Ü027 ' 1936 .... 7.728 2.517 5.211 1935 .... 10.070 3.545 6.616 Trotz der gesunkenen Kaufkraft und des eingeschränkten Handelsvolumens hat der Import bis Ende Juli 1937 denjenigen der entsprechenden Zeit des Vorjahres um 22% überflügelt und ist um nur knapp 7% hinter den Importziffern der ersten sieben Monate des Jahres 1935, — in denen die Prosperität ihren Kulminationspunkt erreichte — zurückgeblieben! Diese Tatsache erklärt sich vor allem daraus, daß schon im Zusammenhang mit der Zunahme der jüdischen Bevölkerung, die der Hauptträger des Importes ist, sich der Nahrungsmittelimport weiter erhöhte und im übrigen sich die internationale Warenpreissteigerung in diesem Jahre nicht unbeträchtlich auf die Importwerte auswirkte und mengenmäßige Importbeschränkungen bei Rohstoffen und industriellen Produkten kompensierte. Durch diese Umstände wurde die geschwächte Kaufkraft in verhältnismäßig noch stärkerem Maße als früher durch den Import absorbiert. Die sehr starke Exportsteigerung gegenüber den beiden vorhergehenden Jahren erklärt sich vor allem aus dem stark erhöhten Orangenexport, aber auch der Export von anderen landwirtschaftlichen Produkten, Rohstoffen und Industriewaren (Speiseöle und andere Produkte der Nahrungsmittelindustrie, Alteisen und -metall, Rohwolle, Häute und Felle, Baumwollgarn und Textilwaren, Kali, Brom und anderes) hat sich stark erhöht.