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Palästina · 1937-08-01 · Heft 8-9 (August 1937) · p. Seite 423

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
20 (1937)
Issue
Heft 8-9 (August 1937)
Article
Zur industriellen Kreditpolitik
Date
1937-08-01
Page
Seite 423 (sequence 2)
Language
German
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nicht nur der Umfang, sondern auch der Zweck und die Form des gegebenen Kredits für seine Wirksamkeit ausschlaggebend sind, daß das Problem der industriellen Kreditpolitik mit der Möglichkeit der Industrie Kredit zu eröffnen nicht schon gelöst, sondern erst gestellt worden ist. Um es zu lösen, muß erst auf die Ursachen des großen Kreditbedarfs der palästinensischen Industrie eingegangen werden. Ganz allgemein ergibt sich dieser Kreditbedarf aus dem Mißverhältnis zwischen den Eigenmitteln der industriellen Unternehmer und den für Aufbau und Betrieb der Unternehmungen erforderlichen Kapitalien K Dieses Mißverhältnis hat man den Industriellen verschiedentlich vorgeworfen und sie ermahnt, keine Betriebe zu gründen, die von vornherein über ihre finanziellen Kräfte hinausgingen. Hingegen ist in den Industriekreisen die Forderung nach Investitionskrediten ä fonds perdu laut geworden, um die Industrie fest auf die Beine zu stellen, ähnlich wie es mit den landwirtschaftlichen Siedlungen der Zionistischen Organisation und der PICA geschehen ist. Die dafür nötigen Mittel sollten von den Banken oder vom Keren Hajessod, bzw. von einem besonderen nationalen Industriefonds, der noch zu gründen wäre, bereit gestellt werden. In derselben Richtung liegen auch die Wünsche nach einer großen Industriebank, welche vor allem langfristige Investitionskredite ermöglichen soll. Die Unzulänglichkeit der eigenen Mittel wird also von den Unternehmern mit aller Offenheit zugegeben. Ebenso deutlich wird die Ergänzung dieser Mittel auf dem Wege der Beteiligung oder der Aktienausgabe als Lösung abgelehnt. Es ist daher ganz verfehlt, von subjektiven Fehlern einzelner Unternehmer zu sprechen, wo die Lage offenbar von objektiven Umständen des zionistischen Aufbaues bestimmt wird. Der Aufbau der jüdischen Industrie in Palästina geschieht fast ganz aus privaten Mitteln. Nur an wenigen Großbetrieben ist das internationale Finanzkapital maßgebend beteiligt, und diese stehen auch außerhalb des allgemeinen Kreditrahmens der palästinensischen Industrie. Im übrigen stammen die investierten Kapitalien größtenteils aus der Liquidation jüdischer Unternehmungen in den Diasporaländern, in den meisten Fällen stellt ihre Anlage tatsächlich die unmittelbare Übertragung dieser Unternehmungen nach Palästina dar, wenn auch oft in einer geänderten und den neuen Verhältnissen angepaßten Form. Der Aufbau der jüdischen Industrie ist eben nicht nur das Anfangskapitel einer neuen Entwicklung, sondern auch das Abschlußkapitel eines Prozesses, welcher mit dem Auszug der Juden, speziell des jüdischen Mittelstandes und der jüdischen Bourgeoisie, aus den Diasporaländern beginnt. Nun sind die für den Aufbau der Industrieunternehmungen in Palästina benötigten Kapitalien von technischen und wirtschaftlichen Momenten jeweils mehr oder weniger fest bestimmt und die in der Diaspora frei werdenden Kapitalien müßten a priori diesen Anforderungen vollauf genügen, um so mehr als die palästinensischen Unternehmungen im allgemeinen erheblich kleiner als ihre »Mutterfirmen« sind. In der Praxis jedoch gehen erhebliche Teile dieser Vermögen bei ihrer Übertragung nach Palästina für produktive Anlagen verloren; zunächst bei der Liquidierung der früheren Unternehmungen, welche erfahrungsgemäß meist während einer Depressionsperiode und unter starkem wirtschaftlichem und sozialem Druck vor sich geht, sodann für Erkundungsfahrten, für Übersiedlung und Neueinrichtung in Palästina, in den meisten Staaten auch beim Transfer des Barvermögens und endlich für den Unterhalt während der oft recht langen Versuchs- und Verlustperiode. Das praktische Ergebnis ist, daß im allgemeinen das mitgebrachte Vermögen sich zur Errichtung eines Unternehmens als 1 Siehe dazu und zu den folgenden Ausführungen den Artikel von Dr. Erwin Wittkowski: »Industrieprobleme 1937«, in Nr. 4 dieser Zeitschrift. — Anm. d. Red.

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