Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 20 (1937)
- Issue
- Heft 8-9 (August 1937)
- Article
- Der Siedlungsbau als Teillösung des städtischen Wohnproblemes
- Date
- 1937-08-01
- Page
- Seite 411 (sequence 8)
- Language
- German
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Die starke Einwanderung kam in den letzten Jahren in der Hauptsache aus Städten und die Menschen kamen mit städtischen Berufsausbildungen, Lebensgewohoheiten und Kulturansprüchen. Nur ein relativ kleiner Teil vollzog die Umschichtung zum Leben am Lande, der weitaus größere Teil blieb in der Stadt. Die mit der Einwanderung verbundene, notwendige Bautätigkeit schuf nun auch das Betätigungsfeld für diese städtischen Einwanderer und konzentrierte sie beruflich in den Städten. Das Fehlen großer, billiger Bodenreserven, die mit der Konjunktur rasch steigenden Bodenpreise und die aus den Herkunftsländern mitgebrachten Vorstellungen bewirkten die räumliche Konzentration und die Entwicklung des großstädtischen Charakters unserer Städte. Diese Entwicklung bot dem aus dem Ausland strömenden Kapital gute Anlagemöglichkeiten, das in starkem Maß in die gleiche Bahn gelenkt wurde und so die Entwicklung auch dort erleichterte, wo zunächst die finanziellen Kräfte nicht ausreichten. Die in der Aussicht auf rasche Steigerung der Bodenpreise begründete Gewinnchance hat immer wieder die kurzen Rückschläge überwunden. Und die dauernde Einwanderung von Städtern hat die reale Unterlage für diese großstädtische Bautätigkeit gegeben. Diese Entwicklung hat auch das Wohnproblem geschaffen, das uns hier beschäftigt and es liegt nahe, daß man bei seiner Lösung wieder zu den ursprünglichen Vorstellungen von Gartenstädten zurückkehrt. Die bestehenden Städte werden sich zweifellos weiterentwickeln und vergrößern. Sie werden immer die Arbeitsstätten einer großen Zahl der Landesbewohner bleiben. Abgesehen von der Bautätigkeit, die noch lange Zeit den ersten Rang einnehmen wird, entwickeln sich in den Städten und um sie herum eine große Zahl von Unternehmungen und Industrien. Wenn wir imstande sein werden, die Städte mit einem Kranz von vorstädtischen Kleingartensiedlungen zu umgeben, deren lockere Verbauung, deren gartenstädtische Gestaltung, deren ruhige, staub- und verkehrslärmfreie Lage den in den Städten Beschäftigten eine gesunde und billige Wohnung gibt, so werden wrir die ursprüngliche gartenstädtische Vorstellung in der richtigen Form eines Stadtkernes mit ihn umgebenden Vorstadtgartensiedlungen verwirklichen. Wir werden es nicht konsequent und planmäßig durchführen können; dazu fehlen uns die notwendigen Bodenflächen und die erforderlichen Mittel, dazu fehlt uns die gesetzgebende Gewalt, dagegen sträubt sich ein großer Teil der andere Interessen verengenden Privatwirtschaft. Aber die gemeinnützigen Siedlungsgesellschaften und der KKL können und müssen eine solche Entwicklung nach Möglichkeit fördern, insbesondere wenn sich erweist, daß sie auch wirtschaftlich die beste Form der Lösung dieses Problems ist. Analyse der Siedlungsfaktoren. 1. Lage der Siedlung: Obwohl diese nach einer Reihe von Gesichts»- Punkten gewählt werden sollte, wird sie doch meist vom Zufall der Kaufgelegenheit ■and vom Preis abhängig sein. Und doch sollte jeder Entscheidung folgende Überie9ung vorangehen. Einige Punkte seien hier nur kurz angedeutet: a) Entfernung von der Stadt. Der Bodenpreis fällt im allgemeinen mit der Entfernung von der Stadt. Ein gewisser enger Umkreis der Stadt scheidet also wegen der Höhe der Bodenpreise aus. Andererseits steigen mit der Entfernung gewöhnlich die Erschließungskosten, die Fahrtspesen und oft auch die Versorgungskosten bei längeren und schwierigen Transporten. Die Fahrtspesen ergeben beispielsweise für je ein Piaster Fahrtkosten eine Monatsausgabe von 0,70 bis 0,80 £