Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 20 (1937)
- Issue
- Heft 8-9 (August 1937)
- Article
- Wirtschaftliche Entwicklungsmöglichkeiten des projektierten Judenstaates
- Date
- 1937-08-01
- Page
- Seite 404 (sequence 10)
- Language
- German
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kurrenz der Nachbarländer zu schützen bestrebt sind. Der palästinensische Export nach dem Nahen Osten ist entwicklungsfähig, jedoch sind seine Aussichten begrenzt. Aus dieser Gegenüberstellung des vermutlichen Importbedarfes an Rohstoffen und industriellen Fertigwaren in Höhe von 20 Millionen £P und der Zitrus- und sonstigen Exportchancen, die mit 10 Millionen £P eigentlich schon ziemlich optimistisch veranschlagt sind, ergibt sich die Schwierigkeit des Problems, vor das der jüdische Staat wirtschaftspolitisch gestellt ist. Es muß von beiden Seiten her gelöst werden: einerseits durch Herabdrückung des Industrieproduktenimportes, der sich, nachdem der starke Bedarf an Investitionsgütern abgeebbt sein wird, wahrscheinlich doch reduzieren läßt und andererseits durch Entwicklung von Spezialindustrien, die auf den Weltmärkten bessere Absatzmöglichkeiten haben. Auch dürften sich gewisse Agrarprodukte exportieren lassen (Frühgemüse und Kartoffeln und anderes) wenn diese Produkte sich auch nicht zu sehr hohen Beträgen summieren werden. Abschließend ergibt sich jedenfalls daraus, daß zu dem sehr hohen Importbedarf an Rohstoffen und industriellen Fertigwaren angesichts der begrenzten Exportmöglichkeiten kein umfangreicher Nahrungsmittelimport mehr hinzukommen darf, wenn wenigstens ein annähernder Ausgleich der Handelsbilanz noch im Bereich der praktischen Möglichkeiten liegen soll. Die Zahlungsbilanz könnte anderenfalls nur durch ständigen Kapitalimport, der wie in den letzten Jahren sehr weitgehend zur Bezahlung des Importüberschusses verausgabt wird, zum Ausgleich gebracht werden. Der Siedlungsbau als Teillösung des städtischen Wohnproblemes Von Ing. Josef Mahrer, Tel Aviv. Vorb. der Red. Wir geben diesen bemerkenswerten Ausführungen Raum, obwohl wir noch keinen Weg für die Finanzierung des vom Autor vorgeschlagenen Planes sehen. Vorschläge hierüber sind uns vom Autor in Aussicht gestellt worden. Allgemeines. Das städtische Wohnproblem in Palästina, das stärker als in vielen Ländern durch die konjunkturell sprunghafte Steigerung der Boden- und Baukosten und damit der Mietpreise bedingt ist, ist eine allgemein bekannte Erscheinung. Seien es die ärmsten Schichten der jüdischen Bevölkerung, die unter den erschreckendsten Bedingungen in Elendsbaracken oder primitiven, unhygienischen und verwahrlosten Mietzimmern oder Kleinwohnungen zusammengepfercht wohnen, sei es die große Zahl der Untermieter, der Untermieterpaare oder -familien, seien es selbst die Wohnungsinlhaber, die nur mit großer Mühe, durch Teilung der Wohnung unter zwei oder mehr Familien, oder durch Untervermietung die Mieten zu zahlen imstande sind — überall enthüllt sich dem aufmerksamen Auge das Bilkd eines Wohnniveaus, das zu dem steigenden Luxus des städtischen Wohnungsbaues in krassem Widerspruch steht. Einige Zahlen, die im wesentlichen (Abschnitt 1 und 2) einer wohnungspolitischen Untersuchung Fritz Naphtalis aus dem Jahre 1935 entnommen sind und' die in dem -darauffolgenden Jahre noch eine Verschärfung erfahren haben dürften, mögen die Verhältnisse beleuchten: 1. W ohnungsbedarf: Naphtali schätzt auf Grund seiner Erhebungen den akuten Wohnungsbedarf auf Grund natürlichen Zuwachs und Eheschließungen und