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Palästina · 1937-08-01 · Heft 8-9 (August 1937) · p. Seite 392

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Journal
Palästina
Volume
20 (1937)
Issue
Heft 8-9 (August 1937)
Article
Die Züricher Tagungen
Date
1937-08-01
Page
Seite 392 (sequence 2)
Language
German
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einer klaren Entscheidung entheben würden. Der Gedanke, die Zionistische Organisation unter dem Gesichtspunkte der Entscheidung über den englischen Teilungsvorschlag in den Wahlkampf zum nächsten Kongreß gehen zu lassen, ist zwar ein momentaner Ausweg aus den parlamentarischen Schwierigkeiten des Zionistenkongresses, birgt aber große Gefahren in sich.. Es ist nicht anzunehmen, daß die Zusammensetzung des nächsten Kongresses wesentlich anders sein wird als jetzt, aber die politischen Leidenschaften werden aufgepeitscht und dem Wähler eine Verantwortung zugeschoben, die er kaum tragen kann, da zu einer solchen Entscheidung mehr intime Kenntnis der Dinge gehört als in einem offenen Wahlkampf naturgemäß erworben werden kann. Und Gefühlsmomente allein können hier nicht den Ausschlag geben. Die Realitäten, um die es sich handelt, sind noch nicht in das Bewußtsein des jüdischen Volkes eingedrungen. Das ist leicht verständlich, wenn man die Entstehungsgeschichte des Zionismus bedenkt, der aus jüdischer Not und jüdischer Sehnsucht geboren wurde, ohne daß dabei die Frage, wie Palästina eigentlich aussieht, von Bedeutung gewesen wäre. Palästina ist kein leeres Land, und es mußte einmal der Moment kommen, wo der Zionismus sich mit dieser Tatsache auseinander setzt. Dies konnte nur in der Form einer Modifizierung des ursprünglichen Programms und ursprünglichen Zieles geschehen, denn die zionistische Konzeption war ursprünglich auf einen leeren Raum zugeschnitten. Unzählige Faktoren sind dabei in Betracht zu ziehen, darunter die ökonomischen Möglichkeiten des Landes, und zwar nach ihrer wirklichen Beschaffenheit und nicht nach Propagandabedürfnissen, damit zusammenhängend die Beurteilung der Möglichkeiten einer Einwanderung, die ökonomisch verwurzelt wTerden kann, ferner die psychologischen Gegebenheiten der beteiligten Völker, die Verhältnisse in den Nachbarländern, die allgemeine Weltlage und vor allem die Position und Politik Englands. Die jüdische Siedlung in Palästina ist unter dem Schutze Englands aufgebaut worden: auch wer gegen die englische Verwaltung berechtigte Vorwürfe vorbringt und der Ansicht ist, daß vieles hätte anders kommen können, kann doch nicht die Tatsache übersehen, daß ohne das englische Protektorat die jüdische Siedlung in Palästina nicht hätte existieren können. Englands Politik aber ist abhängig von unzähligen Faktoren, die nicht nur mit Palästina und nicht nur mit den Juden zu tun haben. In den letzten zwei Jahren hat das englische Weltreich kritische Stunden durchgemacht, und seine Sorgen kreisten zum guten Teil um ein Gebiet, das geographisch von Palästina gar nicht weit entfernt liegt. Unzählige Male mußte Dr. Weizmann, der mit seiner Kenntnis der wirklichen Tatsachen auf dem Kongreß völlig vereinsamt ist, darauf aufmerksam machen, daß England selbst über seine Politik entscheidet und daß es sinnlos ist, in noch so talentvollen Kongreßreden darzulegen, wie die englische Politik eigentlich sein sollte. Die Forderung, die die Neinsager aufstellen, besagt ihrem Sinne nach nichts anderes, als daß die Engländer unter Aufwand militärischer Gewalt eine große jüdische Einwanderung in den nächsten 10 oder 20 Jahren erzwingen sollen. Das aber wird England nicht tun, die öffentliche Meinung Englands würde es nicht zugeben, und außerdem will England es nicht tun, weil es fürchtet, daß dadurch andere englische Interessen gefährdet werden könnten. Die englische Regierung hat klipp und klar in Genf erklärt, daß sie nicht gewillt ist, das Mandat weiter zu führen, jedenfalls nicht ohne wesentliche Änderungen. Diejenigen, die heute in einer Weiterführung des Mandates das einzige Heil sehen, müssen sich wohl darüber klar sein, daß die von England gewünschten Ände^ rungen des Mandates wahrscheinlich nicht so wären, daß sie die Entstehung eines Judenstaates in ganz Palästina in absehbarer Zeit herbeiführen würden. Es gibt, so wiederholte Weizmann in Zürich immer wieder, Ideale und Träume, aber es gibt auch

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