Mannheim
Compact Memory

Palästina · 1937-06-01 · Heft 6 (Juni 1937) · p. Seite 331

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
20 (1937)
Issue
Heft 6 (Juni 1937)
Article
[Rezension] / l. r. m.
Date
1937-06-01
Page
Seite 331 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
spine
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2379786-2379953-2379960--25436-2411671
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Im ersten Teil werden Verfassung, Politik, Wirtschaft, Handel und Bevölkerungsbewegung der einzelnen Reichsteile kurz beschrieben und einzelne wichtige Fragen aufgezeigt. In diesem Abschnitt wird die erstaunliche Vielfalt der Lösungen verfassungsrechtlicher Fragen und die Anpassungsfähigkeit des ganzen Systems so recht offenbar. Im zweiten Teil werden die Einrichtungen, die die Zusammenarbeit der Gliedstaaten des Reiches fördern und ermöglichen, sowie die Grundlagen und wechselseitigen Beziehungen von Gesetz und verfassungsrechtlicher Übung, soweit sie dem Status der einzelnen Dominien und ihre Beziehungen untereinander betreffen, übersichtlich erörtert, wobei die verschiedene Stellung der einzelnen Dominien zum Statut von Westminster und dessen Anwendung angeführt wird. Im dritten Teil wird auf einzelne Probleme die das ganze Reich betreffen, besonders eingegangen. Im Abschnitt über Kolonialfragen wird das sogenannte Rohstoffproblem und die Forderung nach Neuverteilung, bzw. Rückgabe des Kolonialbesitzes in mustergültiger Weise erörtert und der britische Standpunkt so dargelegt, daß er sehr schwer zu widerlegen ist. Der Abschnitt über Wanderung und Bevölkerungsbewegung und die Beschreibung der Maßnahmen, die zur Förderung der Auswanderung nach den Dominions getroffen wurden, hinterläßt den Eindruck, daß hier eine wohlabgewogene Einstellung jene Entschlossenheit vermissen läßt, die so häufig die jüdische Siedlung in Palästina mit den Kolonialbehörden in Konflikt bringt. Dies führt zur Erörterung der Stellen des Buches, die die Leser dieser Zeitschrift besonders interessieren. Da fällt besonders im Abschnitt über Palästina die Angabe auf Seite 163 auf, daß die arabische Bevölkerung Palästinas achtmal so stark ist wie die jüdische. Es gibt doch genügend viele, dem Institut leicht erreichbare, zum Teil amtliche Veröffentlichungen, denen der tatsächliche Anteil der Juden an der Bevölkerung, nämlich 29,8%, zu entnehmen gewesen wäre, darunter die vom Institut selbst veröffentlichte Broschüre »Great Britain and Palestine 1915—1936« (Seite 61). In der Anmerkung auf Seite 161, die den Inhalt des Mandats zusammenfaßt, entsteht der Eindruck, als ob die Jewish Agency bloß die jüdische Gemeinschaft in Palästina verträte, nicht aber das jüdische Volk in der ganzen Welt. Infolgedessen erweckt die Bemerkung auf Seite 163, »die Weltjudenheit würde allen ihren Einfluß aufbieten, um Maßnahmen zu verhindern, die die jüdischen Interessen benachteiligen könnten« und die anschließende Feststellung, daß die Herrscher der arabischen Nachbarstaaten eine bedeutende Rolle bei der vorläufigen Beendigung des Streiks gespielt haben, den irrigen Eindruck, als ob hier legitimerweise Einflüsse von auswärts zu Gunsten beider Teile geltend gemacht würden. Die Jewish Agency wurde jedoch völkerrechtlich als Vertreter der Judenheit der Welt anerkannt, die so ein Recht zur Einflußnahme durch ihr Organ hat, während die arabischen Fürsten aus politischen Rücksichten von der Mandatarmacht herangezogen wurden, ohne daß sie von sich aus irgendein Recht zur Intervention hätten. Das muß auch hier festgestellt werden. Im Abschnitt über Wirtschaftspolitik ist die Bemerkung auf Seite 293 besonders beachtenswert, daß in Zukunft die Dominien, ebenso wie vom Kriegsende bis zur Krise, Einwanderer vor allem in der Industrie absorbieren werden und die Landwirtschaft in dieser Hinsicht eine noch geringere Rolle spielen wird, als früher. Im allgemeinen wäre zu sagen, daß die leitenden Grundsätze der britischen Kolonialverwaltung, von denen heute nur aus dringenden strategischen oder wirtschaftlichen Gründen (z. B. Goldgewinnung im Kavirondo-Bezirk) abgegangen wird, im Widerspruch zu den täglichen Erfordernissen des Palästina-Mandats stehen. Dazu kommt noch, daß in Palästina die britischen Beamten vielleicht zum ersten Mal mit einer weißen Bevölkerung zu tun haben, die in Staaten mit moderner, interventionistischer

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.